Achter-Schlagmann Hannes Ocik © picture alliance/SVEN SIMON Foto: Elmar Kremser

Interview

Achter-Schlagmann Ocik: "Weiter, immer weiter!"

Hannes Ocik sitzt seit 2013 im Deutschland-Achter, der nun schon mehr als ein Jahr lang in Finalrennen ungeschlagen ist. Für die Ruderer um den Schlagmann aus Schwerin geht es in den kommenden Wochen darum, ihre Titel erfolgreich zu verteidigen: bei der EM, die im Rahmen der European Championships ausgetragen wird, und bei der WM im bulgarischen Plowdiw (9. bis 16. September). Der 27-Jährige im Interview über Rückschläge, hohe Erwartungen und den Traum von Olympia-Gold.

Herr Ocik, haben Sie ein Lebensmotto?

Hannes Ocik: Ich habe mir angewöhnt, aus Niederlagen immer das Positive zu ziehen. So habe ich die Kraft, nach vorne zu gucken und noch mehr Gas zu geben. Wenn man daraus ein Motto machen will, dann lautet es wohl: "Weiter, immer weiter!" Man sollte sich nie auf dem Erfolg ausruhen.

Beim Blick in Ihre Vita stechen drei dieser Niederlagen ins Auge: 2006 rieten Ihnen die Ärzte nach Pfeifferschem Drüsenfieber aufzuhören, Sie aber machten weiter und kamen noch stärker zurück. Gleiches gilt für Ihre krankheitsbedingte Pause acht Jahre später. Und 2016 gab es ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt "nur" Silber - im Olympia-Finale siegte Großbritannien. Doch anscheinend war dieser Rückschlag wieder nur zusätzliche Motivation.

Ocik: Das stimmt schon. 2016 war der Reiz, bei Olympia dabei zu sein. Aber Rio hat nicht meinen Erwartungen entsprochen - sportlich nicht und vom Drumherum her auch nicht. Ich will in Tokio die Goldmedaille gewinnen.

Das haben Sie bereits kurz nach den Sommerspielen in Brasilien angekündigt. Kann man wirklich so weit im Voraus planen?

Ocik: Tokio 2020 ist natürlich das langfristige Ziel. Auf dem Weg dahin gibt es kurzfristige Etappen - viele Regatten und jedes Jahr eine Weltmeisterschaft. Für mich ist es nicht selbstverständlich, im Achter zu sitzen. Ich muss immer wieder Leistung bringen, um mich zu qualifizieren. Aber wer auch immer im Achter sitzt, hat es mit derselben Erwartungshaltung zu tun: Deutschland erwartet die Goldmedaille - und wir von uns auch. Ein Olympia-Sieg in Tokio ist immer im Hinterkopf.

Sie sind seit 2014 Schlagmann des Flaggschiffs des Deutschen Ruderverbandes. Was ist das Besondere an dieser Position - und was prädestiniert Sie dafür?

Ocik: Boah, das ist eine gute Frage. (überlegt) Ich denke mal, dass das eine Stilfrage ist. Ich bin eher ein Bewegungstyp und komme nicht so sehr von der Kraft her. Bundestrainer Ralf Holtmeyer hat mich damals zum ersten Mal auf Schlag gesetzt - und sein Nachfolger Uwe Bender hat 2017 daran festgehalten. Offenbar mache ich da etwas richtig.

2017 war ein tolles Jahr, in dem EM- und WM-Siege auf Erfolge bei den Weltcups folgten. Auch in diesem Jahr gab es drei Erfolge bei drei Weltcups. Aber die wirklich wichtigen Regatten kommen jetzt erst ...

Ocik: Das ist unser Problem. Ein Weltcup-Sieg ist immer nur eine Momentaufnahme, die nur bis zur nächsten Regatta gilt. Wenn wir in den kommenden Wochen keine Goldmedaillen gewinnen, hat das alles nichts gebracht. Unser Anspruch ist es natürlich, sowohl bei der EM in Glasgow als auch bei der WM in Plowdiw den Titel zu gewinnen.

Der Deutschland-Achter mit Steuermann Martin Sauer (v.l.), Schlagmann Hannes Ocik, Richard Schmidt, Malte Jakschik, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Maximilian Planer, Felix Wimberger und Johannes Weißenfeld © picture alliance/SVEN SIMON Foto: Elmar Kremser

Der Deutschland-Achter ist seit Saisonbeginn 2017 in Finalrennen ungeschlagen.

Die EM findet erstmals im Rahmen der European Championships statt. Dadurch dürfte die Medienpräsenz größer sein als bei so mancher WM. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Ocik: Ich stehe den European Championships sehr positiv gegenüber. Sie sind die große Chance für die einzelnen Sportarten, mehr aus sich herauszuholen - von den Zuschauern her und auch medial. Wir erreichen mehr Leute und können auch neue Ruder-Fans hinzugewinnen. Ich bin gespannt, ob das klappt.

Die Vorbereitung war intensiv. Wo bleibt da noch Zeit für Ihre Arbeit als Polizeimeister?

Ocik: Ich bin in der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern und für die Wettkämpfe und das Training vom Dienst freigestellt. 400 Stunden muss ich aber trotzdem Dienst tun, das wird mit meinen Sportterminen abgestimmt. Aber es ist richtig: Ich habe mich schon manches Mal gefragt, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Für das Rudern opfere ich viel Zeit - und es ist nicht die lukrativste Sportart.

Angenommen, Sie holen 2020 mit dem Achter Gold. Beendet Hannes Ocik dann seine Ruderkarriere und arbeitet als Polizist?

Ocik: Wann ich meine Karriere beende, werde ich situativ entscheiden. Das weiß noch nicht. Ich kann auch noch nicht sicher sagen, was ich dann beruflich mache. Aber Stand jetzt arbeite ich nach der Karriere bei der Bereitschaftspolizei.

Das Interview führte Florian Neuhauss, sportschau.de

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 31.07.18 12:43 Uhr