Kirsten Wild freut sich über ihren Sieg im Omnium bei den Europameisterschaften 2018. © picture alliance/augenklick

Multi-EM in Glasgow und Berlin

European Championships begeistern Fans und Sportler

von Chaled Nahar

Die European Championships haben Zuschauer und Sportler bislang begeistert. Das weckt nun Interesse bei anderen Sportarten - und möglichen Austragungsorten.

Die Ruderer bereuen es schon. Angesichts der Weltmeisterschaft im bulgarischen Plowdiw Mitte September war bei der EM im Rahmen der European Championships in Glasgow und Berlin nicht die größte Prominenz der Sportart an den Start gegangen.

"Ich denke, wir haben die Außenwirkung dieses neuen Formats unterschätzt", sagte der Chefbundestrainer Ralf Holtmeyer in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). "Wenn wir gewusst hätten, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit ist, hätten wir unser bestes Team nominiert." Es sind Sätze, die zeigen: Die European Championships haben sich bereits bewährt.

Das Fernsehen: Die Quoten stimmen

Sieben Sportarten legten ihren Europameisterschaften zusammen, um mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Medienpräsenz zu erhalten. Im Wintersport stimmen die Disziplinen seit langem ihre Starts aufeinander ab - das gelingt nun offenbar auch den Sommersportarten. Das Format sei vor allem für das Fernsehen gut, sagt Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): "Es wird von der einen zur anderen Veranstaltung geswitcht, und die Leute goutieren das."

Ein Kameramann auf einem Segway bei den Bahnradwettbewerben bei den European Championships © picture alliance/augenklick

Ein Kameramann bei den Bahnradwettbewerben

Alle wichtigen öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten Europas - darunter ARD und ZDF - übertragen die Wettbewerbe live. Und der Erfolg scheint die Verantwortlichen bei einigen Sportarten nun also selbst zu überraschen, wie das Beispiel der Ruderer zeigt. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte, dass er auf mehr Sportarten hoffe, die dann möglichst mit der ersten Garnitur antreten sollten. "Denn so viel Aufmerksamkeit haben diese Verbände selten", so Balkausky.

Für die TV-Anstalten ist die Multi-EM ein Erfolg. Am Montag schauten bei den Schwimmfinals und den Qualifikationen in der Leichtathletik 2,26 Millionen Sportfans bei der ARD zu, das entsprach einem Marktanteil von 14,0 Prozent. Die bislang beste Quote gab es am Sonntag (2,63 Millionen/15,9 Prozent). "Die Quoten sind prima und liegen über den Erwartungen. Teilweise reichen sie schon an die Wintersportwochenenden heran", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Und da stand die quotenträchtige Leichtathletik noch fast vollständig aus.

Die Sportarten: Begeisterung und neues Interesse

Und deshalb wird das Interesse größer. Taekwondo hat kürzlich seine EM im russischen Kasan abgehalten und als Schlussfolgerung sind im europäischen Verband Bestrebungen entstanden, in das Programm der European Championships zu drängen. Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz zeigt sich ebenfalls begeistert. "Ich finde dieses Mini-Olympia super, super gut. Schwimmen alleine gucken sich nicht so viele an. Ich hoffe sehr, dass wir diesen Zusammenschluss weiterhin durchziehen dürfen."

Kugelstoßen bei der Leichtathletik-EM auf dem Breitscheidplatz in Berlin  Foto: Jan Huebner/Peters

Kugelstoßen auf dem Breitscheidplatz in Berlin

Und es gibt gute Entwicklungen für die Sportarten: Das Kugelstoßen, das auf großen Bühnen wie dem Berliner Olympiastadion bei geringem Interesse etwas untergeht, hat mit dem sehenswerten Wettbewerb auf dem Berliner Breitscheidplatz eine starke Lösung gefunden.

Glasgow lieferte mit vollbesetzten Sportstätten und Tausenden Zuschauern beim Straßenrennen, einem bunten Unterhaltungsprogramm und Großleinwänden auf dem zentralen George Square für olympische Stimmung. "Es fühlt sich so an wie kleine Olympische Spiele", sagte Achter-Europameister Maximilian Planer im Deutschlandfunk.

Die Austragungsorte: 2022 weckt Interesse

Ein Feuerwerk ist über dem George Square zum Abschluss der Eröffnungsfeier der European Championships in Glasgow zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa

Feuerwerk in Glasgow zum Abschluss der Eröffnungsfeier

Was fehlt, ist ein "Olympisches Dorf". "Vielleicht ist es in vier Jahren anders, wenn noch mal ein bisschen was optimiert wird", sagte Planer mit Blick auf die nächste Auflage. Dass die European Championships 2022 ein zweites Mal ausgetragen werden, ist angesichts des Erfolgs zwar wahrscheinlich, aber noch nicht beschlossen. Die Zweifel daran sind aber gering, das Konzept ist auch für künftige Ausrichter attraktiv geworden.

Am Dienstag bekundete Hamburgs Sportstaatsrat Christoph Holstein im "Hamburger Abendblatt" Interesse an der Ausrichtung der Spiele 2022. "Grundsätzlich sind wir sehr interessiert an diesem Konzept, weil wir unser Profil als Ausrichter internationaler Sportevents schärfen wollen", sagte Holstein. "Wir sind sehr gespannt, wie die Analyse der ersten European Championships ausfällt, werden uns das genau anschauen."

Er habe festgestellt, dass die Akzeptanz für überschaubare Sportveranstaltungen deutlich höher sei als für Großereignisse wie Olympische Spiele. Im November 2015 war eine Olympia-Bewerbung der Hansestadt für die Spiele im Jahr 2024 am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Für die European Championships könnte die Bereitschaft größer sein.

mit dpa

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 07.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 07.08.18 20:10 Uhr