Andreas Bretschneider nach seiner Kür am Reck

03:21 min | 10.08.2018 | Das Erste

Das Dilemma der Turner in der Qualifikation

Die Stange zu glatt, die Preisrichter zu streng: Für Andreas Bretschneider und Marcel Nguyen lief es an ihren Paradegeräten nicht gut. Als Team aber waren die deutschen Turner stark.

Turnen

Turner im Teamfinale - Nguyen und Bretschneider patzen

Die deutschen Turner haben sich bei der EM in Glasgow nach einer insgesamt durchwachsenen Qualifikation als drittplatzierte Nation hinter Russland und Großbritannien für das Mannschafts-Mehrkampf-Finale qualifiziert. Marcel Nguyen erreichte die Einzelfinals an den Ringen und am Boden, patzte aber am Barren - in dieses Einzelfinale zog dagegen überraschend Nils Dunkel ein. Andreas Bretschneider enttäuschte am Reck und verpasste den Finaleinzug.

In der Qualifikation gingen aus der deutschen Riege zunächst Marcel Nguyen, Andreas Toba und EM-Debütant Nick Klessing an den Ringen an den Start - und lieferten hier mit 42,599 Punkten die drittbeste Vorstellung aller 29 in diesem Wettbewerb an den Start gegangenen Nationen ab. Nguyen sicherte sich mit seiner Übung als Sechster einen Platz im Einzelfinale am Sonntag (12.8.18, 16:50 Uhr/Live im Ersten und auf sportschau.de). Auch beim Sprung zeigten die Athleten des Deutschen Turner-Bundes (DTB) ihre Klasse: Andreas Bretschneider, Nguyen und Klessing kamen mit ihren Versuchen auf 42,800 Punkte - Deutschland musste hier nur den Russen den Vortritt lassen.

Nguyens Tsukahara-Abgang misslingt

In der Hydro-Arena folgte dann der Vortrag am Barren: Nils Dunkel, Bretschneider und Nguyen erturnten für das deutsche Team weitere 42,365 Punkte - Platz vier für die DTB-Riege. Bitter für den Unterhachinger Nguyen: Mit einem Fehler beim Tsukahara-Abgang verpatzte der zweimalige Barren-Europameister und Olympia-Zweite von 2012 seine Übung und verpasste mit nur 13,833 Punkten den eingeplanten Einzug in das Einzelfinale an seinem Parade-Gerät. "In den letzten Sekunden hat die Kraft gefehlt. Ich hätte besser einen einfacheren Abgang turnen sollen", sagte Nguyen, der es im Teamfinale besser machen will. Der Erfurter Dunkel ist dagegen nach 14,466 Punkten als Vorkampf-Achter in der Medaillenentscheidung am Sonntag (18:20 Uhr) dabei.

Fiasko am Reck fürs deutsche Team

Andreas Bretschneider © imago/AFLOSPORT

Andreas Bretschneider verpasste das Reck-Einzelfinale.

Genauso enttäuschend verlief die Qualifikation für Bretschneider an seinem eigentlich stärksten Gerät, dem Reck. Der mit großen Hoffnungen gestartete deutsche Turner leistete sich kurz vor Ende seiner Übung bei einem leichteren Teil einen Patzer, sodass auch er mit nur 13,066 Zählern um seine Finalchance kam. "Unfassbar. Die Übung lief so gut und dann wird der winzige Fehler so hart bestraft", sagte der Chemnitzer. Da auch Toba (12,466) und Nguyen (11,233) vom Gerät stürzten, bedeuteten 36,765 Punkte in der Nationen-Wertung für dieses Gerät Rang 16. "Diese Nummer am Reck war nicht unser Traum", gestand Cheftrainer Andreas Hirsch.

Solide Vorträge am Boden und am Pauschenpferd

Vor den beiden abschließenden Auftritten am Boden und am Pauschenpferd musste das deutsche Team plötzlich um die Qualifikation fürs Teamfinale bangen. Doch die DTB-Riege fing sich wieder: Bretschneider, Nguyen und Klessing holten am Boden 41,166 Punkte - vier Teams aus der Konkurrenz schnitten hier besser ab als Deutschland. Nguyens 14,433 Punkte bescherten ihm den Einzug ins Einzelfinale am Sonntag (15:30 Uhr). An einen Platz auf dem Podium glaubt Nguyen aber weder am Boden noch an den Ringen: "Da wird es schwer für mich, ich kann meine Übungen nur noch minimal aufstocken. Ich würde die jetzigen zwei Finals gern gegen das am Barren tauschen. Das ist bitter, aber so ist der Sport." Zum Abschluss gab es für Dunkel, Bretschneider und Toba am Pauschenpferd noch einmal 40,399 Zähler - auch dieses Ergebnis war das fünftbeste des Qualifikations-Abends.

In der Endabrechnung bedeuteten 246,094 Punkte Rang drei in der Qualifikation hinter Russland (259,427) und Großbritannien (252,496). Die erste deutsche Team-Medaille im Mehrkampf seit acht Jahren liegt also im Finale am Samstag (11.08.18/ab 11 Uhr im Livestream auf sportschau.de) durchaus im Bereich des Möglichen. "Wir haben ärgerliche Fehler gemacht und zwei unserer drei Medaillenchancen eingebüßt. Im Team-Finale werden wir jetzt einige Übungen noch etwas sicherer gestalten", kündigte Hirsch an.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 10.08.2018 | 10:45 Uhr

Stand: 09.08.18 22:25 Uhr