Robert Harting © dpa-Bildfunk Foto: MIchael Kappeler/dpa

09:51 min | 08.08.2018 | Das Erste

Harting tritt mit Platz sechs ab

Robert Harting hat seine große Karriere bei der Heim-EM mit Platz sechs beendet. Zwischendurch lag der angeschlagene Diskusriese sogar auf Medaillenkurs.

Leichtathletik

Harting: Emotionaler Abschied ohne Medaille

Diskuswerfer Robert Harting hat zum Ende seiner großen Karriere bei der Heim-EM in Berlin eine Medaille verpasst. Frenetisch gefeiert wurde er dennoch - vor und nach dem Wettkampf. Gold gewann in einem spannenden Finale Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen.

3.277 Tage nach seinem ersten großen Titel - dem WM-Triumph am 19. August 2009 in Berlin - hat Robert Harting am Mittwoch (8.8.2018) an selber Stelle einen emotionalen Abschied von der großen Leichtathletik-Bühne genommen. Schon bei der Vorstellung der zwölf EM-Finalteilnehmer ballte der Olympiasieger die Faust, als ihm die knapp 40.000 Zuschauer im Olympiastadion lautstark applaudierten. "Was für eine geile Zeit. Danke!" und "Danke Robert" - mit Transparenten würdigten die Berliner Fans die Leistungen und Verdienste des erfolgreichsten Leichtathleten der vergangenen Dekade.

Der Jubel und Applaus wurde dann nach seinem sechsten und letzten Wurf noch viel, viel lauter - und das, obwohl Harting als Sechster eines spannenden Wettkampfs eine Medaille um knapp einen Meter verpasste. Die Zuschauer in seinem "Wohnzimmer" honorierten die großartige Karriere-Leistung des deutschen Serienmeisters - dem WM-Titel 2009 folgten zwei weitere Triumphe bei Weltmeisterschatften (2011 und 2013), der Olympiasieg 2012 in London sowie zwei EM-Goldmedaillen (2010 und 2014). "Ich habe ein Leistungssportler-Herz und ich möchte gerne gut sein. Ich wollte mich als bester Deutscher verabschieden. Das habe ich geschafft. Aber da war noch Potenzial", sagte Harting nach seiner Ehrenrunde im Ersten.

Fünf Konkurrenten warfen weiter

Dass sein letzter internationaler Wettkampf im Olympiastadion emotional werden würde, war von vornherein klar. Aber dass der seit Jahren körperlich angeschlagene und mit einer Saisonbestleistung von 65,13 m gelistete 33-Jährige noch einmal in den Medaillenkampf eingreifen könnte, hatte ihm kaum jemand zugetraut. "Eigentlich habe ich schon Bock auf eine Medaille. Ich habe ja schon vier Jahre lang keine mehr gewonnen. Ich werde alles geben", hatte der unter den Folgen eines Quadrizepssehnen-Anrisses leidende Perfektionist im Vorfeld gesagt, wusste aber selbst am besten um seine Einschränkungen. Nach seinem zweiten Versuch (63,45 m) lag er aber tatsächlich auf Platz zwei, nach dem vierten Versuch (64,33 m) noch auf dem Bronzerang. Am Ende wurde er Sechster. "Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, bei all dem, was wir in diese Saison noch investiert haben", verriet Harting: "Da war ein Zwiespalt da."

Gudzius holt Gold mit dem letzten Wurf

Der litauische Diskuswerfer Andrius Gudzius © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Thissen/dpa

Andrius Gudzius' Trikot blieb nach dem Gewinn des EM-Titels heil.

Weltmeister Andrius Gudzius aus Litauen siegte in Abwesenheit des bereits in der Qualifikation gescheiterten Titelverteidigers Piotr Malachowski aus Polen mit 68,46 m vor dem Schweden Daniel Stahl (68,23 m) und Lukas Weißhaidinger aus Österreich (65,14 m). Der entscheidende Wurf zu Gold gelang Gudzius erst im sechsten und letzten Versuch. Robert Hartings Bruder Christoph, Olympiasieger 2016 in Rio, sowie der Oympia-Dritte Daniel Jasinski aus Wattenscheid hatten wie Malachowski das Finale überraschend verpasst.

"Es gibt ein Leben danach"

Zum Abschied verdrückte der stets unbeugsame, aber auch emotionale Harting, der während des Wettkampfs sehr ruhig gewirkt hatte, einige Tränen. "Wie soll ich es anders beschreiben? Es ist ein bisschen erdrückend, erleichternd, nicht berauschend. Ein bisschen traurig bin ich. Es ist sehr viel gerade", sagte er und bedankte sich via Stadionmikrofon beim Publikumsliebling: "Danke für eure prima Unterstützung."

In ein Loch wird er wohl nicht fallen: "Es gibt ein Leben danach - und darauf freue ich mich. Es wird nicht lange dauern, da habe ich neue Aufgaben, die werde ich dann mit voller Geistes- und Körperkraft erledigen", sagte der Diskus-Star: "Ich werde die Sachen offensiv angehen und mich nicht vom Leben schubsen lassen." Sowohl einen Rücktritt vom Rücktritt als auch einen Job als Trainer schloss er dabei aus: "Ich schaue von draußen zu. Mal sehen, was meine Konkurrenten machen." Mit seinem Sport will der gebürtige Lausitzer, der am 30. September aus der Bundeswehr ausscheidet, dennoch irgendwie "in touch" bleiben: "Aber es ist schwer zu sagen, wie meine Zukunft mit der Leichtathletik mal aussehen wird."

Abschied beim ISTAF Anfang September

Zuvor bestreitet der dreimalige Weltmeister seinen allerletzten Wettkampf beim ISTAF am 2. September ebenfalls im Berliner Olympiastadion, die goldene Startnummer liegt schon bereit. "Ich freue mich sehr auf den Tag. Mal sehen, wie lange ich an diesem Abend wach bleiben werde", blickte Harting auf seinen endgültig letzten Auftritt voraus: "Ich werde am 3. September aufstehen und mich nicht mehr fragen: Wie kriegste das im Training heute hin?"

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 08.08.2018 | 09:00 Uhr

Stand: 09.08.18 13:33 Uhr