Die Ruder-Brüder Eric (l.) und Torben Johannesen © Witters Foto: Tim Groothuis

Deutschland-Achter

Johannesen: Bruder-Wechsel im Achter

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Ein Deutschland-Achter ohne den Namen Johannesen - das ist seit vielen Jahren undenkbar. Allerdings ist es nicht mehr Olympiasieger Eric, sondern sein kleiner Bruder Torben, der im Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes sitzt. Doch die beiden haben einen Traum: Sie wollen zusammen Titel für Deutschland gewinnen.

Das Jahr 2016 war für den deutschen Ruder-Achter eine Zäsur. Nachdem es bei Olympia in Rio "nur" Silber gegeben hatte, wurden gleich fünf Plätze neu besetzt. Unter den Aussteigern war Eric Johannesen, der sich nach zwei Olympia-Zyklen auf seine Familie konzentrieren wollte. Der 30-Jährige wurde Vater - und machte im Boot Platz für seinen Bruder Torben, der in Brasilien schon als Ersatzmann dabei war. "Ich fand es schon sehr lustig: Da rudere ich zwei Jahre lang zusammen mit Eric - und auf einmal ist ein anderer Johannesen da", sagt Schlagmann Hannes Ocik. "Torben ist aus dem Schatten von Eric getreten und hat auch gleich richtig abgeräumt."

Europameister, Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger - das junge, neuformierte Boot lieferte sofort ab. 2017 war ein perfektes Jahr, das durch den Weltrekord gekrönt wurde. "Das haben noch nicht mal die Jungs im Jahr 2012 geschafft", weiß der Hamburger Torben Johannesen, der damals noch Zuschauer und Fan war - vor allem von seinem großen Bruder. "Eric war mein erstes Vorbild. Ich habe mit dem Rudern angefangen, weil er gerudert ist, habe die ganzen Erfolge und Titel gesehen. Was er gut kann, habe ich versucht zu kopieren. So konnte ich mir viel abschauen."

"Im Achter sind wir keine Brüder ..."

Die Ruder-Brüder Eric (l.) und Torben Johannesen © Witters Foto: Valeria Witters

Eric Johannesen (l.) ehrt seinen Bruder Torben als Hamburgs Sportler des Jahres 2017.

Dass die beiden Brüder miteinander verglichen werden würden, war abzusehen. Durch den Altersabstand von sechs Jahren und zwei Monaten konnte sich Torben jedoch in Ruhe entwickeln. "Der Schatten ist durch Erics Erfolge schon ziemlich groß", betont der 23-Jährige. Vergleiche seien für ihn eher Kompliment als Bürde, schließlich sei Eric einer der Besten. 2017 aber waren die beiden Brüder auf einmal Konkurrenten, zumal beide auch noch auf derselben Seite rudern. Machte Eric nach den Olympischen Spielen noch freiwillig Platz, ruderte er vor dieser Saison wieder mit im Kampf um die begehrten Achter-Plätze - und scheiterte. Torben weiß: "Im Achter sind wir keine Brüder, sondern Konkurrenten." Aktuell hat der Jüngere die Nase vorn, auch wenn er betont: "Wir haben jetzt das gleiche Leistungsniveau."

Einen ganz besonderen Moment erlebte Torben Johannesen 2017 bei der Ehrung von Hamburgs Sportlern des Jahres. Er war nominiert, er hoffte auf den Preis und ahnte nichts. "Erst als plötzlich Eric auf die Bühne gegangen ist, wusste ich, dass ich gewonnen habe. Ich wusste vorher nichts, auch von seiner Laudatio nicht. Aber über seine Worte habe ich mich natürlich umso mehr gefreut."

Kritiker mit Weltcup-Sieg zum Schweigen gebracht

So nah Torben bis 2016 auch am DRV-Flaggschiff dran war, mit dem großen Druck, der auf den Insassen lastet, hatte er nicht gerechnet. "Darauf kann man sich nicht einstellen, das muss man selbst erleben", weiß der Lehramtsstudent (Physik und Sport) nun. "Der Verband plant unsere Siege fest ein."

Die Erwartungshaltung gipfelte beim Weltcup in Linz Ende Juni, bei dem der Achter nach langer Siegesserie sowohl im Vorlauf als auch im Hoffnungslauf nicht Erster wurde. "Da haben einige schon Konsequenzen und eine Umbesetzung des Bootes gefordert", berichtet Torben Johannesen. Die Besatzung nahm's sportlich und brachte die Kritiker im Finale mit dem Weltcup-Sieg zum Schweigen.

"Johannesens nie mit Platz zwei zufrieden"

2018 hat für den deutschen Ruder-Achter trotz der drei Siege bei den drei Weltcups gerade erst begonnen. Sowohl bei den European Championships in Glasgow (2. bis 12. August) als auch bei der WM in Plowdiw (9. bis 16. September) müssen die Titel aus dem Vorjahr verteidigt werden. "Silber wünscht sich niemand und auch wir trainieren nicht, um Zweiter zu werden", hat der 23-Jährige die Achter-Mentalität verinnerlicht. "Den Druck machen wir uns natürlich auch selbst."

Doch das große Ziel ist Tokio 2020. Und dann soll nicht nur ein Johannesen im Boot sitzen. "Wir wollen zusammen zu Olympia", sagt Torben. Im Training saßen sie bereits beide im Achter, Schlagmann Ocik kann sich das auch im Wettkampf sehr gut vorstellen: "Eric und Torben haben von Haus aus super viel Kraft und Power. Sie sind Teil der Erfolgsgeschichte des Achters. Beide haben dieses Gewinner-Gen in sich und würden sich nie mit Platz zwei zufrieden geben."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 01.08.18 17:08 Uhr

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Platz Land G S B
1. Flagge Russland RUS 31 19 16
2. Flagge Großbritannien GBR 26 26 22
3. Flagge Italien ITA 15 17 28
4. Flagge Niederlande NED 15 15 13
5. Flagge Deutschland GER 13 17 23
6. Flagge Frankreich FRA 13 14 15
7. Flagge Polen POL 9 6 6
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