Sprinterin Gina Lückenkemper zeigt Ihr Tatoo. © Thomas Luerweg Foto: Thomas Luerweg

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Kraft durch Körperkunst: Die Tattoos der EM-Starter

von Bettina Lenner und Florian Neuhauss

Sie sind Ansporn, Erinnerung und immer eine Herzensangelegenheit: die Tattoos der Sportler. Welcher Athlet trägt welche Tätowierung und was steckt dahinter? Sportschau.de hat sich bei den European Championships umgehört.

Gina Lückenkemper musste sich ganz schön überwinden. Aber wenigstens war die Tortur schnell vorüber - passend für eine Sprinterin. "Ich bin nach einer Stunde wieder lebendig aus dem Laden rausmarschiert", sagte die aktuell schnellste Frau Deutschlands, die sich 2016 nach den Sommerspielen in Rio den Klassiker tätowieren ließ: die olympischen Ringe.

Ansporn und Erinnerung

Ein Motiv, das wenig überraschend weit verbreitet ist unter den Sportlern bei den European Championships in Glasgow und Berlin - als Ansporn, Motivation und Erinnerung. Im Guten wie Schlechten. "Ich wollte es, weil ich's zu Olympia geschafft habe - und auch als Zeichen, okay, da möchte ich wieder hin", so Lückenkemper. Ruderin Marie-Louise Dräger verarbeitet über die Körperkunst indes auch sportliche Misserfolge. Eine "grimmige Sonne" stammt aus einer Phase, in der ihr eine Verletzung sehr zu schaffen machte: "Das Tattoo steht für meinen Charakter. Eigentlich bin ich ein Sonnenschein und für jeden Spaß zu haben. Aber wenn es hart auf hart kommt, kann ich auch die Zähne zeigen und kämpfen."

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Elefanten, Drachen, Botschaften: Sportler-Tattoos

"Nichts, was gerade modern ist"

Den Athleten geht es bei dem Körperschmuck vor allem um die Botschaft und persönliche Bedeutung. "Ich brauche eine Verbindung dazu und nichts, was gerade modern ist", sagte Lückenkempers Staffelkollegin Tatjana Pinto. "Weil sich der perfekte Sprint wie Fliegen anfühlt", fiel ihre Wahl unter anderem auf Flügel. "I was, I am, I will always be forever free" prangt unterdessen quer über dem linken Schlüsselbein von Diskuswerferin Shanice Craft: "Freiheit, Stärke, Gleichberechtigung - das sind Dinge, die mir viel bedeuten. Ich bin eher ein ruhiger Mensch und das ist meine Art, mich auszudrücken."

Turner mussten Tattoos lange verbergen

Ein Privileg, das Turner Marcel Nguyen jahrelang zumindest im Wettkampf nicht vergönnt war. Noch bei seinen Olympiaerfolgen in London 2012 mit Silber am Barren und im Mehrkampf musste er seine Tattoos verbergen. Wie den Schriftzug auf seiner Brust, "Pain is Temporary - Pride is Forever" - sein Lebensmotto. "Das Tattoo musste ich früher mit Make-up überdecken. Damals war man im Turnen dem Thema gegenüber noch nicht so aufgeschlossen", erzählte er. Seit die Ästhetik in der Wahrnehmung der Kampfrichter darunter nicht mehr leidet, hat er sich weiter tätowieren lassen. Überwiegend mit Motiven aus dem Sport, wie der Siegesgöttin oder der olympischen Fackel.

Ein Zeichen der Verbundenheit

Tätowierung am linken Arm des Hochspringers Mateusz Przybylko © Thomas Luerweg Foto: Thomas Luerweg

Familienbande: Mateusz Przybylko und seine Brüder ließen sich das gleiche Tattoo stechen.

Familie ist das andere große Thema. "Mi familia" steht auf dem Bizeps von Hochspringer Mateusz Przybylko geschrieben, wie auch auf den Oberarmen seiner beiden Brüder. Geher Christopher Linke aus Potsdam trägt indes nicht nur das Berliner Olympiastadion und Martin Luther Kings berühmtestes Zitat "I have a dream" auf seiner Haut, sondern auch das Geburtsdatum seiner Oma Helga. Die 88-Jährige ist sein größter Fan und steht wie schon 2017 bei der WM in London auch bei der Heim-EM in der deutschen Hauptstadt tapfer an der Strecke.

Auf der Suche nach den Wurzeln

Einen überaus ernsten Hintergrund hat eins der zahlreichen Tattoos von Patrick Schneider: Der 400-m-Läufer kennt seinen Vater nicht, ist in einer Pflegefamilie aufgewachsen. Laut DNA-Test, den er in den USA machen ließ, liegen seine Wurzeln auch in Nigeria - weshalb er sich den afrikanischen Kontinent stechen und den im Westen gelegenen Staat extra einzeichnen ließ. "Mir ist es wichtig zu wissen, wie ich zusammengesetzt bin", sagte er. Die Suche nach seiner Herkunft setzt er fort - und hält dabei auch an seinem ebenfalls verewigten Motto "Dream, believe, achieve" fest. "Daran glaube ich: Wenn man's träumen kann, kann man's auch erreichen", so der 25-Jährige.

Eine einmalige Angelegenheit

Eine Herzensangelegenheit sind ihre Tattoos für alle Sportler. "Es hat für mich eine wahnsinnig große Bedeutung", sagte Lückenkemper über ihr Olympia-Motiv: "Es ist etwas, an das ich mich gerne zurückerinnern möchte, selbst wenn ich alt und faltig bin und das irgendwann nicht mehr olympische Ringe, sondern olympische Eier sind." Wer einmal mit dem Körperschmuck angefangen hat, könne nicht mehr aufhören, heißt es im Volksmund. Zumindest für die europäische Vizemeisterin über 100 m gilt das nicht. Ihr Besuch im Tattoo-Studio bleibt eine einmalige Angelegenheit: "Auch wenn es tatsächlich gar nicht so schlimm war, meine Angst vor Nadeln ist einfach zu groß."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 10.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 10.08.18 11:15 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge Russland RUS 31 19 16
2. Flagge Großbritannien GBR 26 26 22
3. Flagge Italien ITA 15 17 28
4. Flagge Niederlande NED 15 15 13
5. Flagge Deutschland GER 13 17 23
6. Flagge Frankreich FRA 13 14 15
7. Flagge Polen POL 9 6 6
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