gesa felicitas krause Amsterdam 2016 © imago/Laci Perenyi

Busemanns EM-Orakel

Lauf: Krause gut genug für den Gold-Coup

Im Laufbereich ist der Deutsche Leichtathletik-Verband traditionell weniger stark besetzt als in den anderen Disziplinblöcken. Ein Medaillensegen kann hier deshalb nicht erwartet werden. Für die 5.000-m-Asse Konstanze Klosterhalfen und Richard Ringer sowie für Gesa Felicitas Krause über 3.000 m Hindernis ist aber Edelmetall durchaus drin. Das Trio hat bereits bewiesen, dass es mit der internationalen Konkurrenz Schritt halten kann.

Der 800-Meter-Lauf der Männer wird einmal mehr von taktischem Geschick und einem starken Spurtvermögen geprägt sein. Marc-Leo Reuther wird als bester Deutscher mit ein wenig Glück ins Finale einziehen können, bei Christoph Kessler und Benedikt Huber sollten die Halbfinals klappen.

Bei den Frauen überragt die deutsche Meisterin Christina Hering das gesamte Teilnehmerfeld. Sie ist aufgrund ihrer Erfahrung und Renngestaltung eine sichere Halbfinalistin.

Timo Benitz verlässt sich auf seinen Turbo-Speed

Der deutsche Läufer Timo Benitz

Timo Benitz ist der "Mann der letzten Meter".

Die 1.500 Meter haben in Nürnberg mal wieder Spaß gemacht. Timo Benitz hat seine Spurtqualitäten nähmaschinengleich runtergespult und als deutscher Meister alle in Schach gehalten. Homiyu Tesfaye hat in diesem Jahr nicht die Frische wie in den vergangenen Jahren, ist aber wie Marius Probst auch ein Kandidat für das Finale - wenn es gut läuft. Spannend wird die Frage sein, welcher der norwegischen Ingebrigtsen-Brüder in Berlin wie performt.  

Bei den Frauen wird es für Diana Sujew und Hanna Klein darum gehen, vielleicht ins Finale der besten Zwölf zu kommen. Klein hat in Nürnberg eindrucksvoll den Titel über 5.000 Meter gewonnen und lässt es in Berlin etwas knackiger angehen. Vorne werden Sifan Hassan (wenn sie die Strecke läuft) und Laura Muir das Tempo machen und auf jeden Fall vermeiden, dass man wie in Amsterdam mit 4:33 Minuten Europameisterin wird.

Richard Ringer versteht etwas von "Millimeterarbeit"

Auf den 5.000 Metern sehen wir schon den zweiten Start von Deutschlands derzeit bestem Hechler Richard Ringer, der in Amsterdam 2016 in einem der knappsten Ziel-Einläufe in der Historie als Dritter ins Ziel kam - die ersten vier hechteten innerhalb einer Hundertstel auf die Ziellinie. Geiler Sport! In Berlin wird der damals Vierte, Henrik (schon wieder ein) Ingebrigtsen als Favorit ins Rennen gehen, aber auch 12,5 Runden können manchmal nur mit Hilfe des Fotofinishs auseinander klamüsert werden. Wenn Ringer seinen Coup von 2016 wiederholen könnte, wäre das ein Hammer.

Auf den 25 Runden, sprich 10.000 Meter, wird Ringer in der Meldeliste auf Platz eins geführt. Allerdings hat eine Meisterschaft ihre eigenen Gesetze - und etwaige Allianzen unterwegs können diverse Taktiken mit sich bringen. Es wird für Ringer unglaublich schwer. Das Berliner Publikum muss ihn tragen, muss ihn nach vorne peitschen. Das kann  Flügel verleihen.

Bei Konstanze Klosterhalfen läuft es wieder rund

Mittelstrecklerin Konstanze Klosterhalfen © imago/beautiful sports Foto: imago/beautiful sports

Konstanze Klosterhalfen kann wieder schnell laufen.

Im 5.000-m-Lauf der Frauen freuen wir uns auf Konstanze Klosterhalfen, die wiedergenesen ist und ihre Quali-Zeit aus dem Training raus gelaufen ist. Bei der DM in Nürnberg gewann sie nach langer Leidenszeit auf Anhieb die 1.500 Meter, was für die 5.000 Meter hoffen lässt. Eine Klosterhalfen, die antritt, ist immer in guter Form und trotz der Tatsache, dass sie ein Front-Runner ist, für so ein Finale ein Brocken. Sifan Hassan könnte vorweg traben und immer noch Gold holen, hat sie in der Meldeliste doch eine halbe Minute Vorsprung. Aber die Finals über 1.500 Meter und 5.000 Meter sind am Sonntag direkt hintereinander gereiht und 6.500 Meter kann sie nicht laufen.

Auf den 10.000 Metern haben wir mit Alina Reh eine weitere Athletin der jungen Läufer-Garde, die auch in Zukunft viel vorhat. In Berlin konzentriert sich die Ulmerin auf die längere Distanz. Wir sind gespannt, was sie unter Druck zu leisten im Stande ist. Je nach Rennverlauf und Berliner "Nach-vorn-brüll"-Schnauze kann das gut werden. Und wenn's nicht klappt, ist das Publikum Schuld. Also, Ihr wisst, was zu tun ist: "A-LI-NA! A-LI-NA!"

Marathon-Asse hoffen auf Platzierungen unter den besten Zehn

Im Marathon gehen in der Einzelkonkurrenzen lediglich Philipp Pflieger und Katharina Heinig auf die Straßen Berlins. Für Pflieger kann es bei guter Renneinteilung in die Top Ten gehen, Heinig muss lange Kontakt zur Führungsgruppe haben, kann dann vielleicht ihren Heimvorteil ausspielen und unter die besten Sechs laufen.

Über 3.000 Meter Hindernis liegen die Läufer in der Bestenliste (unbereinigt) zwischen Platz sechs und 31 nur sechs Sekunden auseinander. Das heißt, für Martin Grau ist das Finale fast schon Pflicht, für Patrick Karl und Johannes Motschmann muss neben einem guten Vorlauf auch etwas Glück dabei sein, damit sie im Endlauf an der Startlinie stehen können.

EM-Titelträgerin Krause wird sich auf das Podest pushen

Bei den Damen tritt mit Gesa Felicitas Krause die Titelverteidigerin an, zu der man gar nicht mehr viel schreiben muss. Ihr unverschuldeter Sturz bei der WM in London hat in knapp 15 Minuten den ganzen Facettenreichtum dieser Disziplin gezeigt. Laufen, rempeln, stürzen, aufstehen, kämpfen, fighten, hoffen, reden, staunen, Größe zeigen. Die Gegner sind aufgrund der Willensstärke gewarnt und werden einen neuerlichen Titelgewinn verhindern wollen. Aber Krause wird wieder kämpfen. Sie wird nicht stürzen. Sie wird eine Medaille holen!

Deutschlands Gesa Felicitas Krause nach dem Finale über 3000 m Hindernis © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

02:43 min | 11.08.2017 | Das Erste

Tapfere Krause untröstlich: "Tut einfach weh"

Gesa Felicitas Krause erlebte 2017 ein bitteres WM-Finale über 3.000 m Hindernis. Nach einem Sturz kämpfte sie sich tapfer als Neunte ins Ziel. Im Interview schilderte sie das Rennen aus ihrer Sicht.

Christopher Linkes "Plus" ist der Heimvorteil

Über die 20-Kilometer-Strecke wird Christopher Linke als Athlet mit den größten Chancen gehandelt, zumal auf dieser Strecke allerlei Russen unterwegs waren, die im Zuge des Dopingskandals momentan nicht mehr allzu international marschieren. Dennoch wird es auf einen sauberen Gang ankommen, da die Kampfrichter den Vorwurf des Heimvorteils definitiv entkräften wollen, und dann kann es für Linke wieder ganz weit nach vorne gehen. Nils Brembach und Hagen Pohle sind auch keine Unbekannten und werden den Flow von Berlin mit auf die Strecke nehmen.

Bei den Frauen geht es für die Deutschen um Emilia Lehmeyer - am Start sind außer ihr in Berlin noch Teresa Zurek und Saskia Feige vom SC Potsdam - darum, Flagge zu zeigen und Erfahrung für die Zukunft zu sammeln, da die drei Geherinnen mit ihren 20 und 21 Jahren erst ganz am Anfang einer Ausdauerkarriere stehen.

Über die 50 Kilometer musste Frankreichs Wundergeher Yohann Diniz seinen Start verletzungsbedingt absagen, was sofort bezweckte, dass sich das gesamte Feld in seinen Erwartungen einen Platz weiter nach vorn sehen darf. Nathaniel Seiler und Karl Junghannß werden gut vorbereitet in die knapp vierstündige Tortur gehen. Der erfahrenere Carl Dohmann hat Sichtkontakt zu den besten Acht.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 31.07.18 17:55 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 Punkte)
WM-Bronze 1997 (8.652 Punkte)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54 Sek.)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47 Sek.)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)