Kugelstoßen bei der Leichtathletik-EM auf dem Breitscheidplatz in Berlin  Foto: Jan Huebner/Peters

Busemanns EM-Kolumne

Kugelstoßen in der Stadt - es hat sich gelohnt

von Frank Busemann

Kugelstoßen sucht die Nähe zu den Fans außerhalb des Stadions. Es ist ein Versuch, der viel Aufwand erfordert hat - aber funktioniert.

Breitscheidplatz, die Sonne brennt, der Beat wummert und die großen, schweren Männer schmeißen Eisen über eine mit Rasen ausgelegte Bretterbühne. So sieht das Kugelstoßen der Neuzeit aus. Ich weiß gar nicht, wer's erfunden hat (die Schweizer nicht, von den Eidgenossen war keiner am Start). Aber hätte derjenige sich träumen lassen, dass diese Sportart irgendwann zum Event wird? Nö? Ich mir auch nicht, ich bin traditionell veranlagt (andere sagen: langweilig), aber ich mag Mut. Den Mut rauszugehen. Zu den Menschen.

Nah dran, weit weg - was ist nun besser?

Ein Freund schrieb mir: "Die Leichtathletik kommt in die Stadt - frage mich gerade, ob ich das gut finde?" Ja! Warum nicht? Der Sport bleibt der gleiche (die stoßen nicht mit Käselaiben, sondern mit einer 7,257 Kilogramm schweren Kugel). Die stoßen nicht von der Wiese, sondern eben auf diese, aus einem regelkonformen Ring. Alles so wie im Stadion, nur ganz anders.

Es fühlt sich etwas beengt an und man hat Schiss, dass die Brecher der Athleten beim Andrehen vorn überfallen und von der Bühne plumpsen. Der Auslauf war etwas kurz, manche Kugeln titschten auf und flogen weiter in die Fotografen (das sind Erfahrungswerte für die Zukunft: dünner Rollrasen + harte Bretter + Storlsche Flugbahn + ein zu niedriges Auffangholz = nicht gut). Dabei hatte man die Athleten schon hinter einem großen schweren Netz versteckt. Das flimmerte ein bisschen vor den Augen. Im Stadion bist du soweit weg, da flimmert nix, aber der Feldstecher wackelt. Was ist nun besser?

Ein Wettbewerb, kein Multitasking

Wir kennen mittlerweile den Auszug aus den Stadien der Welt. Was die Läufer mit den Stadtläufen, die Stabhochspringer mit den Marktplatzspringen begonnen haben, machten die Hochspringer, Kugelstoßer, Weitspringer, Sprinter nach. "Berlin fliegt" heißt so etwas zum Beispiel vor dem Brandenburger Tor. Hier heißt es Qualifikation der Europameisterschaften. Die Niederländer haben vor zwei Jahren in Amsterdam selbst das Speerwerfen auf den Stadtpark verlegt. Die Mehrkämpfer praktizieren diese Nähe im Stadion bei ihren Spezialevents. Das klappt.

Der Athlet hat nur noch dreißig Sekunden Zeit für seinen Versuch. Der Fokus der Zuschauer liegt auf einem Wettbewerb. Leichtathletik ist im Stadion kompliziert und erfordert Multitaskingfähigkeiten. Vier Disziplinen auf einmal schaffen nur Freaks. Hier auf dem Breitscheidplatz gibt es auch Normalos. Dafür hatten die Veranstalter den ehemaligen Topkugelisten Ralf Bartels und den aktuellen Kugelstoßer Tobias Dahm für Erklärungen angeheuert.

3.000 waren drin, nochmal 3.000 wollten rein

3.000 Zuschauer gingen begeistert mit. Bestimmt nochmal 3.000 wollten rein, ging aber nicht. Ausverkauft würde man das nennen, wenn es Karten zu kaufen gäbe. Nein, freier Eintritt, welch ein Fest. David Storl fand es auch gut, der will auch das Finale dort machen. So crazy sind die Leichtathleten dann doch nicht. Dafür ist die Leichtathletik dann zu vielseitig und ich brauche auch dieses ganze Gedrubbel, hier ein Lauf und da ein Sprung (obwohl mir dabei einiges durchgeht - ich bin also ein freakiger Normalo), aber es war eine gelungene Abwechslung, die eines riesigen Aufwandes bedurfte. Es hat sich gelohnt.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 06.08.2018 | 16:00 Uhr

Stand: 06.08.18 22:52 Uhr

Medaillenspiegel

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Platz Land G S B
1. Flagge Russland RUS 31 19 16
2. Flagge Großbritannien GBR 26 26 22
3. Flagge Italien ITA 15 17 28
4. Flagge Niederlande NED 15 15 13
5. Flagge Deutschland GER 13 17 23
6. Flagge Frankreich FRA 13 14 15
7. Flagge Polen POL 9 6 6
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