Die ehemalige deutsche Weitspringerin Heike Drechsler ist bei der EM als Kampfrichterin im Weit- und Dreisprung im Einsatz. © dpa-Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler/dpa

Leichtathletik

Große Stars bei der EM in kleinen Rollen

Sie holten zahlreiche Titel bei Europameisterschaften und anderen Wettbewerben - heute sind prominente Leichtathleten wie Heike Drechsler, Sebastian Bayer und Betty Heidler bei der EM als Helfer im Einsatz.

Heike Drechsler ist zurück an der Weitsprung-Grube. Fast unerkannt von den Zuschauern im Berliner Olympiastadion ist die 53-Jährige bei der EM als Kampfrichterin dabei.

Die Olympiasiegerin im Weitsprung von 1992 und 2000 ebnet nach den Sprüngen den Sand für die nächsten Athleten. "Ich liebe Gartenarbeit", sagt sie dem ARD-Hörfunk lachend mit Blick auf ihre Aufgabe an der Harke. "Der Sand kann auch richtig schwer sein und dann ist es anstrengend."

Dass es beim Wettkampf der Männer zu falsch gemessenen Weiten kam, sei nicht auf die Kampfrichter zurückzuführen, so Drechsler: "Unser Kampfrichterteam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Das war alles korrekt", sagte sie.

Kampfrichterschein für Arbeit an der Basis

Drechsler gewann in ihrer Karriere zahlreiche Titel, darunter fünf Mal EM-Gold. Heute arbeitet sie für eine Krankenkasse - und in ihrer Freizeit steht sie öfter wieder an der Weitsprung-Anlage.

Im vergangenen Jahr machte Drechsler als Mitglied des LAC Olympia 88 Berlin ihren Schein als Kampfrichterin und war auch bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm im Einsatz. "Sie hat sich fantastisch gut ins Team eingefügt und war unheimlich umgänglich", sagte ihr Team-Chef Frank-Martin Schunack damals.

Drechsler hatte in den vergangenen Jahren bei der Aufnahme in die Ruhmeshallen von IAAF und Deutscher Sporthilfe noch ganz andere Diskussionen führen müssen. Da wurde ihre Rolle im DDR-Staatsdoping und eine mögliche Verpflichtung als Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi diskutiert. Ines Geipel vom Doping-Opfer-Hilfverein nannte Drechslers Berufung "erschütternd". Drechsler wies stets zurück, wissentlich gedopt zu haben.

"So unsichtbar wie möglich machen"

Die Aufgabe als Kampfrichterin gefällt der 53-Jährigen. "Ich möchte an der Basis was wiedergeben", sagt sie zu ihren Beweggründen. "Man darf keine Berge schaufeln, man muss den Sand glätten. Ich denke, dass wir eine gute Grube geschaffen haben", sagt sie. Oft wolle sie den Athleten Hinweise geben. "Aber das darf ich halt nicht."

Auch Heidler und Bayer im Einsatz

Betty Heidler © imago Fotograf: Chai von der Laage

Heidler als Helferin bei der EM in Berlin.

Auch Sebastian Bayer, Weitsprung-Europameister von 2012, und Betty Heidler, Ex-Weltrekordlerin und 2007 Weltmeisterin im Hammerwurf, sind in ähnlichen Rollen dabei.

Bayer ist bei der Laser-Weitenmessung an der Grube im Einsatz, Heidler arbeitet im Zielbereich. Sie wolle "der Leichtathletik etwas zurückgeben", so Heidler.

Tokio 2020 das nächste Ziel für Drechsler?

Drechsler könnte nun das nächste große Ziel angehen: Kampfrichterin bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. "Mal sehen was sich daraus entwickelt", sagt sie. "Vielleicht reicht es ja für eine Qualifikation."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 08.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 09.08.18 16:15 Uhr