Die "Hochsprung-Familie" Eike, Astrid und Imke Onnen (v.l.) © Thomas Luerweg Foto: Thomas Luerweg

Leichtathletik

Die Onnens: Eine Familie lebt Leichtathletik

von Bettina Lenner

Eike Onnen zählt seit Jahren zu den Leistungsträgern im DLV, jetzt hat auch seine zwölf Jahre jüngere Schwester Imke erstmals den Sprung zu einem internationalen Großereignis geschafft. Mutter Astrid Fredebold-Onnen hat nun bei der EM in Berlin volles Programm: Sie ist die Trainerin des Hochsprung-Duos von Hannover 96.

Im Trainingszentrum im beschaulichen Kienbaum, dem Stützpunkt der Leichtathletik-Asse vor und während der EM in Berlin, steht derzeit am See ein einsames Zelt. Seine Bewohnerin genießt die Idylle, hat aber auch alle Hände voll zu tun: Astrid Fredebold-Onnen ist die Trainerin und Mutter von Eike und Imke Onnen, die beide bei der Heim-EM im Hochsprung starten. "Natürlich bin ich stolz, dass die beiden das geschafft haben", sagt die 62-Jährige, die 1978 deutsche Meisterin im Fünfkampf mit Bestleistungen von 1,83 m im Hoch- und 6,38 m im Weitsprung war.

Eike Onnen peilt wieder Edelmetall an

Sohn Eike, der kurz vor Beginn der Wettkämpfe seinen 36. Geburtstag feierte, zählt seit Jahren zu den Leistungsträgern im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Immer wieder von Verletzungen ausgebremst, erfüllte sich der Routinier 2016 in Rio den großen Traum von der Olympia-Teilnahme, nachdem er kurz zuvor mit Bronze bei der EM in Amsterdam sein erstes internationales Edelmetall geholt hatte. Auch in Berlin will er vorne mitmischen: "An einem guten Tag kann ich sicher 2,30 m springen, damit kann man definitiv eine Medaille gewinnen. Ich bin sehr konstant in diesem Jahr. Aber erst einmal ist der Endkampf das Ziel, denn die Qualifikation ist das Schwierigste."

"Ein Traum, zusammen in Berlin zu sein"

Erfahrungen, von denen seine zwölf Jahre jüngere Schwester Imke profitiert. "Abnehmen kann er es mir leider nicht. Aber ich frage ihn schon, wie das abläuft. Ich habe ja bislang nur Junioren-Erfahrungen", sagt die deutsche Vizemeisterin, die über ihren Bruder zum Hochsprung kam. Die Erfolge des fünfmaligen deutschen Freiluft-Meisters (Bestleistung: 2,34 m) spornten sie an: "Ich habe schon immer alles im Hintergrund mitbekommen, und wenn er gestartet ist, habe ich mitgefiebert. Es ist ein Traum, jetzt zusammen in Berlin zu sein."

Die Jüngste von fünf Onnen-Geschwistern, die allesamt in der Leichtathletik zuhause sind, steht noch am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn. Das Finale ist das große Ziel. Gleich im ersten Wettkampf der Saison hatte sie sich auf 1,93 m gesteigert und damit selbst überrascht. "Ich bin mit dem Maximalziel 1,90 m in die Saison gegangen. Dass dann sowas dabei rausgekommen ist, damit habe ich nicht gerechnet."

Imke Onnen im EM-Fieber

Er und seine Schwester hätten sich fest vorgenommen, "irgendwann einmal bei einem internationalen Großevent zusammen zu starten", berichtet Eike Onnen. "Jetzt hat es geklappt. Eigentlich ziemlich passend, dass es die Heim-EM ist." Ein internationaler Start vor heimischem Publikum ist trotz aller Routine auch für den Zehnten der Weltmeisterschaften von London etwas ganz Besonderes, zumal er die Heim-WM neun Jahre zuvor an selber Stelle verletzungsbedingt verpasste. Bei Debütantin Imke ist allerdings bereits Tage vor ihrem ersten Auftritt im Olympiastadion ein regelrechtes EM-Fieber ausgebrochen: "Ich habe schon jetzt Gänsehaut und bin die ganze Zeit total gut gelaunt. Es ist fast unerträglich, ein schönes Gefühl und gleichzeitig eine Anspannung. Das habe ich noch nie so erlebt", erzählt die 23-Jährige.

"Eher so ein mütterlicher Typ"

Ein Fall für Mutter Astrid, von Familie und Freunden seit jeher "Ati" gerufen, weil Sohn Eike den Namen Astrid als Kind nicht aussprechen konnte. "Sie weiß einfach, wie sie reagieren muss. Ich glaube, es ist unser großer Vorteil, dass sie unsere Mutter ist, weil sie uns so gut kennt", sagt Imke: "Sie geht sehr individuell auf die Bedürfnisse ein. Auch darauf, wie man sich fühlt, das zeichnet sie aus."

Eine Gabe, von der indes auch die anderen Schützlinge in ihrer heimischen Trainingsgruppe profitieren: "Ich bin eher so ein mütterlicher Typ für die Athleten", weiß Astrid Onnen, die ihre Kinder nie zur Leichtathletik gedrängt hat. Doch sie waren von Beginn an daran gewöhnt, dass ihre Mutter als Trainerin viel Zeit auf dem Sportplatz verbrachte. "Für mich ist das toll, dass ich die ganze Zeit Leichtathletik machen konnte. Erst selber und dann praktisch nahtlos im Trainerjob", sagt sie.

Fernziel Olympia 2020

In Berlin gibt es für die bodenständige, ausgeglichene 62-Jährige nun viel zu tun: Tochter Imke tritt am Mittwochabend (8.8.2018) in der Qualifikation und im Idealfall zwei Tage später im Finale an. Sohn Eike kommt am Donnerstagabend und gegebenenfalls am Samstag zum Einsatz. "Du kannst dein Zelt eigentlich auf der Tribüne aufschlagen", scherzt Eike, "oder direkt an der Hochsprunganlage schlafen", meint Imke. Einverstanden sein müsste dann allerdings auch Vater Hillrich, der ebenfalls ein begeisterter Leichtathlet ist und ebenso wie der Rest der Familie zur Unterstützung anreisen wird. Er zieht bei seiner Frau im Zelt ein.

Da ist es bloß gut, dass sich die Frage der Unterbringung bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, dem gemeinsamen Fernziel des Trios, wohl nicht stellen würde. "Wir haben Freunde in Japan, wo wir vielleicht unterkommen könnten. Ich glaube, dass wir es noch bis Tokio gemeinsam schaffen. Das wäre nochmal schön", sagt "Ati" Onnen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 08.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 06.08.18 22:52 Uhr