Weitspringer Heinle im Interview.

03:23 min | 08.08.2018 | Das Erste

Heinle: "Ärgerlich, wenn so was im Finale passiert"

Silbermedaillengewinner Fabian Heinle erzählt am Tag danach Frank Busemann über seine Gefühle beim Weiten-Wirrwarr im Wettkampf und warum er fast einen Versuch ausgelassen hätte.

Leichtathletik

Mess-Chaos im Weitsprung sorgt für Diskussionen

Der Weitsprung-Wettbewerb bei der Leichtathletik-EM 2018 ist von Messfehlern überschattet worden. Bundestrainer Uwe Florczak forderte sogar die Rückkehr zum Maßband.

Silbermedaillengewinner Fabian Heinle ärgerte sich auch am Tag danach immer noch über das Chaos in der Weitsprunggrube. "Das Messen mit Videokameras hat nicht richtig funktioniert. Dass es solche Probleme gibt, habe ich vorher noch nicht erlebt", sagte Heinle der ARD: "Es ist sehr ärgerlich, wenn so etwas im Finale passiert." Die Kampfrichter hatten gleich mehrfach falsche Weiten gemessen.

Auch mit etwas Abstand überschattete das Wirrwarr den größten Karriereerfolg von Heinle. "Nach meinem Versuch war nicht klar, ob ich Silber oder Bronze hatte", sagte der Stuttgarter, weil unter anderem der Schwede Thobias Nilsson einer von vielen war, der Protest gegen die Wertung eines Versuches eingelegt hatte: "Das war schade."

Florczak: "Menschliches Versagen"

Bundestrainer Uwe Florczak wünschte sich sogar die analogen Zeiten zurück. "Ganz ehrlich, ein einfaches Bandmaß wäre mir lieber", sagte er der "Welt". Dass es im Finale so viele Probleme gegeben hatte, sei "fatal" und "ein unsäglicher Zustand", so Florczak weiter.

Das in Berlin eingesetzte Messsystem über Videotechnik, das von einem Kampfrichter bedient wird, hatte mehrfach falsche Ergebnisse geliefert. "Es wurden in einigen Fällen einfach Schatten gemessen und nicht der wirkliche Abdruck. Da spricht man von klassischem menschlichen Versagen", so der Coach.

Drechsler nimmt Kampfrichter in Schutz

Die zweimalige Olympiasiegerin Heike Drechsler, die als Kampfrichterin an dem Wettkampf beteiligt war, nahm sich selbst und ihre Kollegen in Schutz. "Unser Kampfrichterteam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Das war alles korrekt", sagte die frühere Spitzenathletin, die nach den Weitsprüngen mit einem Schieber die Sand-Oberfläche ebnet. Es habe sich um technische Probleme gehandelt, betonte Drechsler. "Die Kampfrichter können am wenigsten dafür - die machen einen sehr, sehr guten Job. Aber so etwas passiert. Wir sind Menschen und keine Maschinen. Mit dem Bandmaß wäre es allerdings schneller gegangen."

Bei Heinle war der vierte Versuch falsch gemessen worden. "Als ich aus der Grube kam, habe ich gesehen, dass ich bei acht Metern gelandet bin. Gemessen wurden dann 7,77 m", sagte er: "Da habe ich gestutzt. Mein Trainer ist dann zu mir gekommen und hat gesagt, ich soll Protest einlegen, weil man auf dem Video gesehen hat, dass der Sprung weiter war." 

Heinle blickt optimistisch voraus

War er auch, und der Protest erfolgreich. Die Weite wurde auf 8,02 m korrigiert, dies änderte aber letztlich nichts mehr an dem Ergebnis. Den Titel sicherte sich der Grieche Miltiadis Tentoglou (8,25 m).

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 09.08.2018 | 10:45 Uhr

Stand: 09.08.18 14:56 Uhr