Lisa Brennauer © dpa-Bildfunk Foto: John Walton/PA Wire/dpa

Radsport Bahn

"Marathonfrau" Brennauer rast mit Rekord zum Titel

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Bahnrad-Fahrerin Lisa Brennauer hat bei der EM in Glasgow bereits ihre zweite Medaille gewonnen: In der Einerverfolgung über 3000 Meter fuhr sie in Rekordzeit zu Gold.

Brennauer siegte am Samstag (4.8.2018) bei den European Championships mit der deutschen Rekordzeit von 3:26,879 Minuten. Damit hat sie ihren erst in der Qualifikation in Glasgow aufgestellten deutschen Rekord noch einmal um fast zwei Sekunden verbessert. Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Katie Archibald (3:29,577) war bei ihrem Heimspiel chancenlos. Die Britin hatte am Ende mehr als zwei Sekunden Rückstand auf Brennauer.

"Wollte noch einen raushauen"

Als das Rennen beendet war, riss sich Brennauer ihren Helm vom Kopf und fiel ihrem Trainer in die Arme. "Ich habe versucht, noch einen rauszuhauen", sagte die frühere Weltmeisterin im Zeitfahren mit einem strahlenden Lächeln.

Brennauer ist die "Marathonfrau" unter den deutschen Radfahrern. Viermal ist sie bei der EM am Start. Einzigartig, denn "da fällt mir keine andere ein", meinte Brennauer bereits, nachdem sie bei ihrem ersten Auftritt mit dem Bahn-Vierer am Freitag Bronze gewonnenn hatte. In der Einerverfolgung kam nun die zweite Medaille dazu - das ersehnte Gold.

"Das ist echt ein Hammer, hatte sich aber angedeutet. Lisa war schon bei den deutschen Meisterschaften in toller Form", sagte Frauen-Bundestrainer André Korff. In dieser Form gehört Brennauer auch im Straßenrennen der Frauen am Sonntag (5.8.2018, 13.30 Uhr/im Livestream auf sportschau.de) zu den deutschen Hoffnungen. Abgerundet wird Brennauers ganz persönlicher Rad-Marathon mit dem Einzelzeitfahren am Mittwoch.

Ergebnisse

Radsport Bahn, Einerverfolgung (3000 m), Frauen, Endstand

Gold Flagge Deutschland GER Lisa Brennauer
Silber Flagge Großbritannien GBR Katie Archibald
Bronze Flagge Polen POL Justyna Kaczkowska
4. Flagge Weißrussland BLR Ina Sawenka
5. Flagge Frankreich FRA Coralie Demay
6. Flagge Deutschland GER Gudrun Stock

"Die Belastung ist eigentlich Wahnsinn"

"Die Belastung ist eigentlich Wahnsinn", meint ARD-Radsport-Experte Holger Gerska, der Brennauer in der Einerverfolgung eine Medaille zugetraut hatte - und damit Recht behielt. Auf der Straße "wird's deutlich schwerer". Im Straßenrennen könne ob der hohen Taktung Brennauers ausgeruhte Teamkollegin Lisa Klein zur Teamkapitänin werden. "Und wenn im Zeitfahren drei Niederländerinnen starten, dann machen die alles platt", ist Gerska überzeugt. Brennauer, die sich in diesem Jahr den deutschen Meistertitel im Zeitfahren gesichert hat, wird dann bereits drei Wettbewerbe in den Beinen haben. Bundestrainer Korff ist dennoch optimistisch: "Lisa ist eine erfahrene Athletin, die wird das verkraften und gut umsetzen können."

Rückkehr auf die Bahn nach jahrelanger Pause

Eigentlich hatte sich Brennauer nach den Olympischen Spielen in London 2012 schon von der Bahn verabschiedet. Die Karriere als Profi auf der Straße (mittlerweile für einen britischen Rennstall) stand im Vordergrund. Doch bei der Heim-EM 2017 meldete sie sich auf der Bahn zurück. Und auch die European Championships sind für sie eine ganz besondere Veranstaltung: "Die EM ist deutlich aufgewertet worden, ein super Event", unterstrich die 30-Jährige. "Ich bekomme das von zu Hause mit und merke ja selbst, wie groß die Medienpräsenz ist."

"Ich schaue von Tag zu Tag"

Über ihr straffes Programm mache sie sich keine großen Gedanken, betonte Brennauer, jeder Wettkampf erfordere ihre volle Aufmerksamkeit: "Jedes Rennen ist einzigartig und ich kann momentan wirklich nur von Tag zu Tag schauen." Zwei Medaillen hat sie bereits - und dieses Wissen nimmt sie mit in die weiteren Wettbewerbe: "Ich kann die übrigen Rennen mit einer gewissen Relaxtheit angehen."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 04.08.18 22:17 Uhr