Der Deutschland-Achter beim Weltcup in Luzern 2018 © picture alliance/Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Rudern

Ruderer setzen alle Hoffnungen in den Achter

Gut einen Monat vor der WM in Bulgarien kommt die EM für viele deutsche Top-Ruderer ungelegen. Für den Achter gilt in Glasgow dennoch nur eins: Mit voller Kraft zu Gold! 29 Aktive hat der Deutsche Ruderverband für die Europameisterschaften nominiert.

Am Donnerstag (02.08.2018) ab 10:30 Uhr schreiben die Ruder-Frauen im Zweier ohne auf dem Strathclyde Loch etwa 15 Kilometer südöstlich des Glasgower Stadtzentrums europäische Sportgeschichte: Mit zwei Vorläufen eröffnen sie das sportliche Geschehen bei den ersten European Championships - dem kombinierten elftägigen Event von Europameisterschaften in sieben verschiedenen Sportarten.

Die europäischen Ruder-Verbände erhoffen sich zwei Jahre nach den Wettbewerben in Rio und zwei Jahre vor den nächsten Sommerspielen in Tokio eine große mediale Aufmerksamkeit im "olympischen Kernschatten" - die Athleten aber vor allem sportliche Erfolge: Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) ist hier seit eh und je der Männer-Achter, der seit fast zwei Jahren in Medaillen-Rennen ungeschlagen ist. "Wir starten in der Heimat des Rudersports, in Großbritannien. Wir wollen den Briten zu Hause zeigen, wer die Nase vorne hat", sagte Schlagmann Hannes Ocik aus Schwerin vor dem EM-Start.

Rudern im Überblick

Stellenwert: Die EM steht im Schatten der WM im bulgarischen Plowdiw (8. bis 16. September). Viele deutsche Athleten fehlen daher. Sie bereiten sich auf den Saisonhöhepunkt vor. Im Männer-Einer wird es keinen DRV-Starter geben.

Entscheidungen: In 18 Klassen werden Medaillen vergeben, darunter auch in den 14 olympischen.
 
Favoriten: Der Deutschland-Achter hat alle Medaillen-Rennen nach den Olympischen Spielen in Rio gewonnen. Bei der EM 2017 kam das DRV-Team auf Rang drei des Medaillenspiegels hinter Italien und Rumänien. Ähnlich dürfte es in Glasgow zugehen.

Deutsche Chancen: Anwärter auf Gold ist vor allem der Achter der Männer.

Auf die Startphase kommt es an

Auf dem Weg zum sechsten EM-Titel in Folge ist die Konkurrenz für das deutsche Boot groß wie lange nicht. Vor allem Olympiasieger Großbritannien, der Deutschland 2016 in Rio eine schmerzhafte Niederlage zufügte, dürfte vor heimischen Publikum stark auftrumpfen. Und auch die Niederländer zeigten mit Platz drei beim Weltcup-Finale in Luzern, dass mit ihnen zu rechnen ist. "Wir haben die drei Weltcups gewonnen, aber die Einschläge der Gegner kommen immer näher. Wir sind noch nicht getroffen worden - und so soll es bleiben", sagte Bundestrainer Uwe Bender vor Beginn der EM. Die Briten hatten Deutschland im Juni in Linz im Hoffnungslauf geschlagen, doch im Finale fuhr das DRV-Boot als erstes ins Ziel. In der Vorbereitung auf die EM (Vorlauf am 02.08.2018 um 14.06 Uhr/Livestream auf sportschau.de) lag der Fokus vor allem auf der Startphase: "Da dürfen wir uns nicht die Wurst vom Brot nehmen lassen", sagte Chef-Bundestrainer Ralf Holtmeyer.

Weitere Medaillen sind das DRV-Ziel

Bei den Europameisterschaften in Glasgow stehen Entscheidungen in jeweils neun Klassen für Männer und Frauen an, aber nur bei der Hälfte werden deutsche Athleten am Start sein: in fünf Männer- und vier Frauen-Booten. Da viele Top-Ruderer fehlen, die sich im Trainingslager auf die WM in Bulgarien (9. bis 16. September) vorbereiten, ist die weitere Ausgangslage für den DRV etwas unklar. Sportdirektor Mario Woldt hofft aber auf mehrere Podestplätze: "Die Athleten, die nicht zur WM fahren, werden größtenteils bei der EM an den Start gehen - mit guten Medaillenchancen."

Die Vor- und Zwischenläufe finden am Donnerstag und Freitag (02./03.08.2018) statt, die jeweils neun Entscheidungen dann am Samstag und Sonntag (04./05.08.2018).

Zeidler konzentriert sich auf die WM

Der deutsche Einer-Ruderer Oliver Zeidler sitzt bei einem Rennen in Luzern in seinem Boot. © dpa picture alliance Foto: Gian Ehrenzeller

Einer-Ruderer Oliver Zeidler wird für seinen WM-Start im September geschont.

Das beim Weltcup-Finale Mitte Juli in Luzern erfolgreiche Team aus dem Frauen-Doppelvierer wird mit Blick auf die WM im kommenden Monat umbesetzt: Julia Lier, Constanze Duell, Frauke Hundeling und Julia Leiding gehen an den Start. Im Männer-Einer, einst dank prominenter Namen wie Peter-Michael Kolbe, Thomas Lange oder Marcel Hacker eine deutsche Domäne, wird Deutschland dieses Mal nicht vertreten sein. WM-Fahrer Oliver Zeidler wird geschont, Tim-Ole Naske ist angeschlagen. Die Gesundheit der Sportler gehe vor, so Woldt.

Und so wird die DRV-Flotte auf dem künstlich angelegten Strathclyde Loch, auf dessen Grund die Bergarbeitersiedlung Bothwellhaugh ruht, wohl eher wenig Edelmetall schürfen - vom Deutschland-Achter mal abgesehen. Bei der EM 2017 kam das DRV-Team mit zweimal Gold und einmal Silber auf Rang drei des Medaillenspiegels hinter Italien (3/1/4) und Rumänien (3/1/0).

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 01.08.18 18:08 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge Russland RUS 31 19 16
2. Flagge Großbritannien GBR 26 26 22
3. Flagge Italien ITA 15 17 28
4. Flagge Niederlande NED 15 15 13
5. Flagge Deutschland GER 13 17 23
6. Flagge Frankreich FRA 13 14 15
7. Flagge Polen POL 9 6 6
Stand nach 187 von 187 Entscheidungen.

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