Rudern

Dräger: "Rudern ist eine Droge, es macht süchtig"

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Rudern ist für Marie-Louise Dräger mehr als nur ein Sport - es ist ihr Leben. Eigentlich hatte die 37-Jährige ihre Karriere schon beendet, doch sie ist wieder da - und hat noch einiges vor.

Der Abschied vom Rudersport fiel Marie-Louise Dräger sehr schwer, zumal er nicht freiwillig war. Ihr Trainer Meinhard Rahn wurde von Rostock nach Hamburg versetzt - und die 37-Jährige stand plötzlich ohne Coach da. Viel Schmerz habe sie damals verspürt und einige Tränen seien geflossen. Die gebürtige Lübeckerin fasste den Entschluss, ihre Karriere zu beenden. Sie trat aus dem ORC Rostock aus und verkaufte ihre komplette Ausrüstung. Fortan sollten ihr Sohn und ihr Beruf als Polizistin im Vordergrund stehen. 2017 war das. "Aber ich habe gemerkt, dass mir etwas fehlt", berichtet Dräger. "Ich hatte noch nicht abgeschlossen."

Im vergangenen Oktober besuchte sie ihren alten Trainer Björn Lötsch in Lübeck. "Dort habe ich zum ersten Mal wieder in einem Boot gesessen", erinnert sich die Athletin. "Und ich habe ihm gesagt, dass er mich wieder trainieren muss."

Gesagt, getan: Seit März sitzt Dräger wieder regelmäßig im Boot. Ende Juni absolvierte sie in Linz nach mehr als einem Jahr Pause ihren ersten Weltcup: "Ich wollte es unbedingt noch mal probieren, und es macht mir einfach Spaß." Es soll ein Neuanfang sein und so fühle es sich auch an.

"Niveau im leichten Doppelzweier relativ schwach"

Der Deutsche Ruderverband (DRV) nominierte Dräger im Leichtgewichts-Einer für die EM und WM - und entfachte damit final das Feuer in ihr. "Sie macht keine halben Sachen. Sie fährt jetzt wieder, und sie will auch noch mal zu Olympia", weiß Bundestrainer Dirk Brockmann. Dafür muss es die Ruderin wieder in den leichten Doppelzweier schaffen, nur noch diese Bootsklasse ist olympisch. Am liebsten mit Fini Sturm, die aber weder bei der EM noch der WM dabei ist. "Aber 2015 und 2016 hat es ja gut mit uns geklappt." Und Dräger sieht gute Chancen, es wieder mit Sturm zu schaffen: "Sonst würde ich mir das alles nicht noch mal antun. Das aktuelle Leistungsvermögen im leichten Doppelzweier ist relativ schwach."

Katrin Thoma und Leonie Pless wurden in ihrem Vorlauf nur Vierte, können sich aber noch über den Hoffnungslauf für das Finale qualifizieren. Ähnlich sieht es allerdings auch bei Dräger aus, die als Dritte den direkten Finaleinzug verpasste. "Ich war mit meinem Rennen nicht zufrieden - und habe am Ende Tempo rausgenommen. Aber für den Spannungsbogen und um mehr Rennen zu fahren, ist der Hoffnungslauf eigentlich sogar ganz gut", betont die Athletin der Schweriner Rudergesellschaft.

Schon seit frühen Jahren Olympia-Medaille als Ziel

Es ist der große Traum von einer Olympia-Medaille, der Dräger umtreibt. 2003 und 2005 wurde sie Weltmeisterin im leichten Doppelzweier, verpasste dazwischen aber Olympia 2004, weil eine Entzündung in der Schulter falsch behandelt wurde. 2008 fehlten ihr mit dem leichten Doppelzweier zwei Zehntelsekunden zu Bronze.

An Motivation mangelt es Dräger nicht: "Rudern ist für mich wie eine Droge, ich bin süchtig nach diesem Sport." Schon bei ihren ersten Rennen auf internationalem Terrain sei ihr Ziel die Medaille bei den Sommerspielen gewesen. Den ersten WM-Einsatz verbuchte sie 2002. Dass seitdem 16 Jahre vergangen sind, stellt für sie ("Ich kann nichts dafür, dass ich noch mithalten kann.") kein Hindernis dar. Mit 39 Jahren soll dann bei ihrem vierten Olympia-Anlauf der Traum wahr werden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 02.08.18 19:02 Uhr

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