Philip Heintz bei den Deutschen Meisterschaften 2018. © picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Schwimmen

Heintz: "Ich will meinen deutschen Rekord brechen"

Die deutschen Schwimmer müssen in Glasgow liefern. Nach dem sehr enttäuschenden vergangenen Jahr sind EM-Medaillen Pflicht. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählt Lagenspezialist Philip Heintz. Und der Heidelberger macht im sportschau.de-Interview selbstbewusst Hoffnung auf Edelmetall.

Philip Heintz weiß, wie es geht. Bei der EM 2014 holte der 27-Jährige über die 200 m Lagen Silber. Doch sowohl bei Olympia 2016 als auch bei der WM im vergangenen Jahr schaffte es der gebürtige Mannheimer nicht aufs Treppchen. Trotzdem verspürt er keinen Druck, gibt sich in den Tagen vor seinem ersten Wettkampf-Start am Sonntag über die 200 m Lagen sehr lässig und entspannt. Kein Widerspruch - denn diese Ruhe hat der Athlet des SV Nikar Heidelberg als Erfolgsrezept ausgemacht - für das ganze deutsche Team.

Herr Heintz, sind Sie gut bei den European Championships angekommen?

Philip Heintz: Für mich geht es ja erst am Sonntagmorgen so richtig los. Ich bin noch sehr entspannt. Die einzige Anspannung bisher gab es, als meine Freundin (die Schweizerin Nina Kost, Anm.d.Red.) im Einzel und mit der 4x100-m-Kraulstaffel geschwommen ist. Da fiebere ich natürlich mit. Aber das ist ordentlich gelaufen - und war ein guter Einstieg.

Hatten Sie also schon Zeit, sich Glasgow ein bisschen anzuschauen?

Heintz: Ich bin nur einmal durch die Innenstadt gelaufen, Glasgow ist sehr schön. Für meinen Geschmack könnte es mehr Cafés und weniger Pubs geben (lacht). Und was man über das britische oder hier schottische Wetter sagt, trifft definitiv zu. Auch wenn ich Schwimmer bin, habe ich es lieber sonnig und warm.

Wie ist die Stimmung im Team?

Heintz: Wir haben eine sehr, sehr entspannte Stimmung. Keiner ist hier irgendwie gestresst - und das ist sicher auch der richtige Weg. So sollte es den meisten gelingen, ihre Leistung abzurufen.

Haben Sie sich besonders eingestimmt, vielleicht ganz typisch mit Schottenrock?

Heintz: Ich habe mir keinen gekauft, aber ein Teamkollege (grinst). Die Rookies müssen bei uns immer noch ab und an eine Show machen, dafür hat er sich den Rock gekauft. Das war schon vor der Abreise in Heidelberg. Wir machen das immer ein, zwei Wochen vor der Veranstaltung, damit noch genug Abstand zu den Wettkämpfen ist, um sich wieder zu fokussieren.

Spüren Sie persönlich gar keinen Druck, als deutscher Meister über die 200 m Lagen Ihren Teil zur DSV-Bilanz beitragen und eine Medaille holen zu müssen?

Heintz: Ich nehme nicht so viel Druck von außen wahr. Aber den größten Druck mache ich mir eh immer selbst. Ich habe eine Zielzeit im Kopf. Wenn ich die schwimme, kann ich zufrieden sein. Was die anderen machen, liegt ja nicht in meiner Hand. Aber ich möchte natürlich gern eine Medaille holen - keine Frage.

Und was ist die Zeit?

Heintz: In der Nähe von meinem deutschen Rekord (1.55,76 Min., Anm.d.Red.), beziehungsweise natürlich schneller (lacht).

Sind Sie so gut drauf?

Heintz: Das Training ist bisher sehr gut gelaufen. Ich hatte keine nennenswerten Ausfälle, konnte wirklich super trainieren. Mal schauen, wie es ausgeht.

Wie groß ist denn der Trainingsaufwand gerade?

Heintz: Ich trainiere zehnmal die Woche im Wasser á zwei Stunden. Dazu kommen grobgeschätzt sechs bis sieben Stunden Kraft- und Stabilisationstraining. Insgesamt so zwischen 25 und 27 Stunden in der Woche.

Haben Sie schon mal ausgerechnet, wie viel Lebenszeit Sie im Wasser verbringen?

Heintz: (lacht) Das wäre nicht so meins. Ich verbringe auch im Urlaub oder so noch relativ viel Zeit im Wasser. Da kommt sicher sehr viel zusammen - aber das rechne ich lieber nicht aus.

Die kommenden Tage könnten ganz besondere werden. Sie haben schon einmal EM-Silber geholt, folgt jetzt die Goldene?

Heintz: Es wäre schön, wenn man das so einfach sagen könnte. Es gibt schon noch ein paar Leute, die da ein Wörtchen mitzureden haben. Aber wenn ich meine Zielzeit erreiche, sollte ich im Bereich der ersten zwei bis drei Plätze landen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn's die Goldmedaille würde.

Das Interview führte Laura Trust, aufgezeichnet von Florian Neuhauss, sportschau.de

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 04.08.18 10:00 Uhr