Carolin Schäfer (r.) und Nafissatou Thiam © dpa - Bildfunk Fotograf: David J. Phillip/AP/dpa

07:08 min | 10.08.2018 | Das Erste

WM 2017: Schäfer im siebten Siebenkampf-Himmel

Siebenkämpferin Carolin Schäfer gewann bei der WM 2017 Silber und feierte damit den größten Erfolg ihrer Karriere. Momente des Glücks in London.

Leichtathletik

Siebenkampf: Schäfers Matchplan zur Medaille

Carolin Schäfer erlebte das vergangene Jahr wie im Rausch: Erst übertraf sie mit ihren 6.836 Zählern von Götzis als erste Deutsche seit Sabine Braun 25 Jahre zuvor die 6.800-Punkte-Marke. Dann erfüllte sich die Olympia-Fünfte bei der WM in London mit Silber den Traum von der ersten Medaille auf der großen internationalen Bühne. Auch in Berlin erkämpfte sie Edelmetall.

"Ich bin nicht mehr nur Jägerin, sondern auch die Gejagte. Die eigenen Erwartungen sind durch die Medaille natürlich enorm gestiegen, weil ich weiß, was ich kann", sagte die 26-Jährige. Zwischen 6.600 und 6.700 Punkte möchte die Siebenkämpferin bei der EM erreichen, "ich glaube, dass man das auch für eine Medaille ungefähr braucht". Die Farbe sei "erstmal relativ, das kann man schlecht prognostizieren. Nafi (Olympiasiegerin Nafissatou Thiam, d.Red.) ist eine Klasse für sich, kann aber auch Fehler machen", so die Frankfurterin, die in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge in Ratingen gewann (6.549 Punkte). Und Thiam schwächelte tatsächlich am ersten Tag, auch deshalb ist der Wettbewerb extrem spannend. "Man muss seine eigene Leistung bringen und dann schauen, was am Ende dabei herauskommt."

Doch welche Leistungen in den einzelnen Disziplinen peilt die Vize-Weltmeisterin bei der EM an? ARD-Reporter Tim Tonder hat mit ihr über ihren Fahrplan in Berlin gesprochen.

Erster Wettkampftag:

100 m Hürden:

"Das ist für mich immer der größte Adrenalinkick, weil es eben auch der Start des Siebenkampfes ist. Wichtig ist, dass ich eine gute Reaktionszeit habe und nicht zu nah an die erste Hürde drankomme. Dass ich schön flach drübergehe und den Rhythmus finde. Ansonsten ist das für mich eigentlich ein einziger Rausch, ich achte beim Lauf auf gar nichts. Alles, was 13,20 Sekunden oder tiefer ist, wäre okay. Damit kann ich arbeiten."
Persönliche Bestleistung: 13,07 Sekunden (2017)
Leistung in Berlin:
13,33 Sekunden

Hochsprung:

"Wichtig ist, dass ich die letzten zwei Schritte aktiv bleibe, nicht so reinstelle in den letzten Schritt. Alles ab 1,80 m aufwärts ist in Ordnung, das ist immer das, was man braucht."
Persönliche Bestleistung: 1,86 m (2017)
Leistung in Berlin:
1,79 m

Kugelstoßen:

"Ich muss ruhig bleiben, darf nicht in Hektik verfallen und es nicht besonders toll wollen. Das Gute ist, man verliert da nicht so viele Punkte. Ich hoffe, es geht über 14 m. 14 m sind eigentlich ein Muss."
Persönliche Bestleistung: 14,84 m (2017)
Leistung in Berlin:
14,12 m

200 m:

"Das kriege ich schon gut hin. In Ratingen bin ich in diesem Jahr 23,73 Sekunden mit angezogener Handbremse kontrolliert gelaufen, ich wollte nichts überstrapazieren. Alles unter 23,70 Sekunden wäre super. 200 m kann man nicht einteilen, das habe ich noch nie gemacht. Bei meinen guten Läufen bin ich immer einfach gelaufen, Kopf aus. Ab dem Start an nichts mehr denken, dann bist du drin."
Persönliche Bestleistung: 23,27 Sekunden (2017)
Leistung in Berlin:
23,75 Sekunden

Zweiter Wettkampftag:

Weitsprung:
"Für mich ist eigentlich nur wichtig, das Brett zu treffen, dass die Versuche gültig sind, und mit maximaler Geschwindigkeit anzulaufen. Ich bin nicht so der Riesen-Technik-Weitsprungtyp. Ich möchte 6,30 m aufwärts haben, das wäre schon schön."
Persönliche Bestleistung: 6,57 m (2017)
Leistung in Berlin:
6,24 m

Speerwurf:

"Man sieht, wenn man sich spezifischer damit beschäftigt, kommt auch eine andere Qualität dabei heraus. Wichtig ist, dass ich eine gute Geschwindigkeit innerhalb meines Anlaufs habe und mich nicht so treiben lasse, sodass ich mehr aus der Geschwindigkeit abwerfe. Alles zwischen 51 und 53 m wäre cool, das gibt ordentlich Punkte."
Anmerkung der Redaktion: Carolin Schäfer absolvierte in der Vorbereitung gemeinsame Einheiten mit Speer-Olympiasieger Thomas Röhler und verbesserte daraufhin bei ihrem Sieg in Ratingen ihre persönliche Bestleistung mit 53,69 um fast drei Meter.
Leistung in Berlin: 53,73 m (persönliche Bestleistung)

800 m:
"Da musst du einfach laufen. Alles geben, was du noch hast, die letzten Körner raus. Es ist aber auch ein taktisches Spiel, je nachdem, welche Position man dann hat, auf wen man achten muss, wer vor einem läuft, wer noch hinter einem und wie der Abstand ist. Wenn man weiß, es geht um eine Medaille, läuft man anders. Sicher wäre es schön - und das erhoffe ich mir auch, - wenn ich da mal endlich wieder Bestleistung laufe. Das funktioniert natürlich im Heimatstadion leichter, das Publikum kann einen tragen."
Persönliche Bestleistung: 2:14,10 Minuten (2015)
Leistung in Berlin:
2:14,65 Minuten

Theoretische persönliche Bestleistung (wenn alle Einzel-Bestleistungen innerhalb eines Wettkampfs erfolgt wären): 6.937 Punkte
Tatsächliche Bestleistung: 6.836 Punkte (2017)
Leistung bei der EM in Berlin: 6.602 Punkte

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 10.08.2018 | 10:00 Uhr

Stand: 10.08.18 20:47 Uhr

Medaillenspiegel

Aktueller Medaillenspiegel
Platz Land G S B
1. Flagge Russland RUS 31 19 16
2. Flagge Großbritannien GBR 26 26 22
3. Flagge Italien ITA 15 17 28
4. Flagge Niederlande NED 15 15 13
5. Flagge Deutschland GER 13 17 23
6. Flagge Frankreich FRA 13 14 15
7. Flagge Polen POL 9 6 6
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