Andreas Toba bei der WM-Qualifikation in Stuttgart 2017.

Andreas Toba: Das Stehaufmännchen ist wieder da

Sportart: Turnen
Disziplin: Teamwettbewerb
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 07.10.1990
in Hannover
Größe: 172 cm
Gewicht: 65 kg
Verein: TK Hannover
Trainer: Adrian Catanoiu
Beruf: Selbstständig (Bistro)

Sportliche Eckdaten

Größte Erfolge
Olympische Spiele:
7. Platz 2016 (Mannschaft)
7. Platz 2012 (Mannschaft)

Weltmeisterschaften:
9. Platz 2015 (Mannschaft)
8. Platz 2014 (Mannschaft)

Europameisterschaften:
4. Platz 2018 (Mannschaft)
5. Platz 2016 (Mannschaft)
4. Platz 2014 (Mannschaft)
7. Platz 2013 (Mehrkampf)


Ob man Andreas Toba letztlich einen Glückspilz nennen kann, ist eine Frage der  Betrachtungsweise. Dass der "Hero de Janeiro" ein Stehaufmännchen ist, dürfte dagegen niemand ernsthaft in Zweifel ziehen. Als hätte es nach dem Kreuzbandriss bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 und seiner "Heldentat" am Pauschenpferd noch eines Beweises bedurft, folgten drei Meniskusoperationen und Anfang des EM-Jahres 2018 wiederum ein Trainingsunfall mit Knieblessur und wochenlanger Zwangspause. Aber Toba rappelte sich immer wieder auf und kommt - wie es scheint - punktgenau zu den kontinentalen Titelkämpfen in Glasgow seiner Topform wieder ganz nahe. Bei der Generalprobe kurz vor Beginn der Europameisterschaft war der 27-Jährige aus Hannover jedenfalls mit ansprechenden Leistungen an Reck und Ringen (je 14,25 Punkte) eine Stütze des deutschen Teams, das einen Vier-Länderkampf in Baiersbronn mit 251,70 Punkten vor Großbritannien (248,55), Frankreich (248,30) und der Schweiz (248,20) gewann.

"Beine wie Salzstangen"

Beim nacholympischen Comeback im Herbst 2017 bei den Weltmeisterschaften in Montreal war es nicht so gut gelaufen. Toba konnte die eigenen Erwartungen nicht erfüllen und schied an Ringen und Pauschenpferd früh aus.  Erst kurz zuvor hatte der deutsche Mehrkampfmeister von 2016 beim Deutschen Turnfest eine Show-Kür hingelegt und in der Zweiten Bundesliga einen Kurzauftritt bestanden. Doch die 13-monatige Wettkampfpause forderte ihren Tribut. "Ich will zeigen, dass ich in den letzten Monaten nicht nur im Krankenhaus gelegen habe", hatte Toba im NDR noch angekündigt - und allein für diesen Kraftakt Respekt erfahren. Dabei hatte er schon ans Aufgeben gedacht. "Nach der dritten Knieoperation und sechs Wochen lang täglich Antibiotika" spukte diese Idee nicht nur einmal in seinem Kopf umher: "Meine Beine sahen aus wie Salzstangen. Als ich endlich wieder trainieren durfte, habe ich mich über jeden Muskelkater gefreut."

"Heldentat" nach Kreuzbandriss

Andreas Toba am Pauschenpferd © Dpa Bildfunk Foto: Lukas Schulze

Mit Kreuzbandriss am Pauschenpferd: Toba bei Olympia in Rio.

Heute weiß Toba, dass es ein Glück war, die Flinte nicht ins Korn geworfen zu haben. Doch er verschweigt auch nicht, wie schwer es war, nach dem Verletzungsdrama von Rio, wo er sich in der Form seines Lebens wähnte, wieder Zuversicht zu gewinnen. Schon am zweiten Gerät in der Qualifikation hatte er sich einen Kreuzbandriss zugezogen und vergeblich gehofft. Sein Gefühl ("Es hat im Knie geknackt, ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist") trog nicht. Sein erster großer internationaler Wettkampf war vorbei. Nicht aber die Chancen der Mannschaft, die kurz zuvor bei der EM in Bern Platz fünf belegt hatte. Dank Tobas Einsatz am Pauschenpferd wurde das Team um Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen in der Endabrechnung Siebter. "Das, was ich trotz der schweren Verletzung gemacht habe, war vielleicht verantwortungslos. Aber für mein Land und vor allem für die Mannschaft würde ich es jederzeit wieder machen", sagte Toba später dem "Tagesspiegel".

Ein Café mit Namen "Hero's"

Die deutschen Teamärzte sorgten mit einem Spezialverband dafür, dass Toba sogar den Abgang mit Bravour erledigen konnte. "Die Ärzte wollten ihn nicht weiterturnen lassen, aber er hat gewusst, dass er am Pauschenpferd der Beste ist und dem Team helfen muss, ins Finale zu kommen", sagte Marius Toba der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Vater Toba war selbst ein Weltklasseturner, als er 1989 aus Rumänien nach Deutschland kam. Seinen Sohn trainieren wollte er gleichwohl nie. Warum nicht, erzählte er der "taz": "Ich versuche, mich nicht einzumischen. Er soll selbstständig sein." Fleißig sei der Filius sowieso. "Manchmal muss ich ihn sogar stoppen." Für seine sportlich aufopferungsvolle Haltung wurde Andreas Toba vielfach geehrt. Und sportlich reüssiert er inzwischen auch wieder. Außerdem hat er jüngst sein eigenes Café  mit einem Freund eröffnet, das den passenden Namen trägt: "Hero's".

Dieses Thema im Programm:

Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 18.07.18 14:45 Uhr