Betty Heidler

Betty Heidler

Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 14.10.1983
in Berlin
Größe: 175 cm
Gewicht: 81 kg
Verein: LG Eintracht Frankfurt
Trainer: Michael Deyhle
Beruf: Polizeihauptmeisterin/Studentin (Jura)

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
79,42 m (2011/DR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Bronze 2012
9. Platz 2008
4. Platz 2004

Weltmeisterschaften:
7. Platz 2015
Silber 2011
Silber 2009
Gold 2007

Europameisterschaften:
Silber 2016
Gold 2010

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2016
Gold 2015
Silber 2014
Gold 2013
Gold 2012
Gold 2011
Gold 2010
Gold 2009
Gold 2008
Gold 2007
Gold 2006
Gold 2005


Sie hat WM-, EM-Gold und olympisches Edelmetall gewonnen, hielt mehr als drei Jahre den Weltrekord im Hammerwurf: Betty Heidler. In diesem Jahr beendet die 32-Jährige nach über 15 erfolgreichen Jahren im Leistungssport ihre Laufbahn. In Rio hofft sie bei ihren vierten und letzten Sommerspielen auf eine weitere Medaille zum krönenden Abschluss.

Betty Heidler tritt mit ihren sportlichen Erfolgen in die Fußstapfen ihrer Familie. Ihr Urgroßvater Martin Riefstahl war Hochspringer und trug auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936 das olympische Feuer. Ihre Großcousine Cornelia Oschkenat, geborene Riefstahl, gehörte jahrelang zu den besten Hürdensprinterinnen der Welt. Allerdings kam Betty Heidler nicht über die Familie, sondern durch eine Freundin zur Leichtathletik. Im Alter von 16 Jahren begann die Berlinerin mit regelmäßigem Hammerwurftraining. 2001 wechselte sie wegen der besseren sportlichen Möglichkeiten zur LG Eintracht Frankfurt.

Hammerwurf

Betty Heidlers Karriere in Bildern

Weltmeisterin 2007 in Japan

Betty Heidler mit der WM-Goldmedaille von Osaka © Picture-Alliance/dpa

Betty Heidler mit WM-Gold 2007.

Trainer Michael Deyhle bescheinigt seinem Schützling "einen starken Kopf, eine positive Einstellung zum Stress und die Bereitschaft, sich im Training zu schinden". Der vierte Platz bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 bedeutete den ersten großen Erfolg in Heidlers Karriere. 72,73 m waren seinerzeit deutscher Rekord. Die nationale Bestmarke schraubte sie im Anschluss gleich mehrfach nach oben. Blieb die Polizeihauptmeisterin 2006 bei der EM in Göteborg noch mit 70,89 m als Fünfte unter ihren Möglichkeiten, gelang ihr 2007 bei der WM in Japan der ganz große Coup: Mit 74,76 m sicherte sie sich die Goldmedaille. "Glück muss man auch mal haben", sagte Heidler, die noch bei den Sommerspielen 2004 zum Schluss Bronze an die Kubanerin Ypsi Moreno verloren hatte. In Osaka drehte sie den Spieß um und blieb trotz eines starken letzten Versuchs von Moreno am Ende um zwei Zentimeter vorn.

Glücklich über WM-Silber in Berlin

Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 musste sich Heidler mit einem enttäuschenden neunten Platz begnügen. Bei der Heim-WM in ihrer Geburtsstadt Berlin ein Jahr später war der Druck immens. Doch die Jura-Studentin hielt stand. Sie wuchtete den Hammer auf beeindruckende 77,12 m - seinerzeit deutscher Rekord. Trotzdem reichte es für die Titelverteidigerin nicht zum erneuten Gold, weil die Polin Anita Wlodarczyk mit 77,96 m Weltrekord warf. Für Heidler war Silber vor heimischer Kulisse dennoch ein Triumph - und in ihrer emotionalen Skala der größte Erfolg noch vor dem WM-Titel in Osaka und dem EM-Triumph 2010 in Barcelona. "Weil das am schwierigsten war. Bei einer Heim-WM, in der eigenen Stadt, steht man ganz anders im Fokus der Öffentlichkeit. Man freut sich drauf, ist aber eben auch sehr angespannt", sagte sie sportschau.de.

79,42 m bedeuten seinerzeit Weltrekord

Eine besondere Bedeutung hat auch der 21. Mai 2011 im Leben der bodenständigen Athletin. Da warf sie beim Meeting in Halle an der Saale mit 79,42 m Weltrekord. Bei der WM im selben Jahr in Daegu kam die Titelfavoritin allerdings nur schlecht in den Wettkampf, zeigte Nerven und blieb hinter ihrer Top-Form im Vorfeld der WM zurück. Am Ende musste sich Heidler hinter der Russin Tatjana Lysenko mit Silber begnügen. "Ich bin zu 99 Prozent enttäuscht. Bis ich mich über diese Medaille freuen kann, das wird dauern", sagte eine unglückliche Betty Heidler anschließend. Zu Beginn des Olympia-Jahres 2012 zeigte sie sich indes physisch und psychisch gut erholt. Früh präsentierte sich Heidler in Top-Form, eilte bei dem Meetings von Sieg zu Sieg. Ende Mai gelang ihr in Ostrau mit 78,07 m der zweitbeste Wurf ihrer Karriere.

Zitterpartie in London mit Happy End

Betty Heidler jubelt. © dpa-bildfunk Foto: Michael Kappeler

Betty Heidler feiert Olympia-Bronze.

Bei der EM in Helsinki scheiterte die haushohe Favoritin dann jedoch nach zwei ungültigen Versuchen und einer indiskutablen Weite im dritten Angang schon in der Qualifikation. "Es war ein eindeutiger Fehler. Darauf werden wir in den nächsten Wochen den Fokus legen. Die Schlüsse aus dem Wettkampf waren schnell gezogen, und nun geht es mit Riesenschritten Richtung London", meinte Heidler. Tatsächlich lief es bei den Sommerspielen besser, die Weltrekordlerin musste aufgrund eines Messfehlers jedoch lange zittern, bis der ersehnte Gewinn einer Olympia-Medaille endlich feststand. Heidler erhielt nach einem vor allem psychisch stressigen Wettkampf nicht nur Bronze, sondern später auch die "Fair-Play-Trophäe" des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, weil sie trotz der Computerpanne ruhig und freundlich auch im Umgang mit den Kampfrichtern geblieben war.

Jahre später wird aus der hart erkämpften Olympia-Medaille wahrscheinlich sogar noch Silber. Lysenko, die bereits von 2007 bis 2009 gesperrt war, ist offenbar unter den acht russischen Athleten, die bei Nachtests von den Spielen in London des Dopings überführt wurden. Ihr droht damit der Entzug ihrer Goldmedaille und eine lebenslange Sperre. Sollte sich der positive Test bestätigen, würde Heidler auf Rang zwei vorrücken.

Frühes Aus und Frust in Moskau

Bei der WM in Moskau 2013 erlebte Heidler ein Déjà-vu, wie bei der EM in Helsinki lief in der Qualifikation nichts zusammen. Der beste Versuch landete bei indiskutablen 68,83 m - das frühe Aus für die völlig frustrierte Mitfavoritin, die zunächst erklärte, bei keinen Weltmeisterschaften mehr starten zu wollen. Am Jahresende verlegte sie nach zwölf Jahren in Frankfurt ihren Lebensmittelpunkt aus privaten Gründen zurück nach Berlin, wo sie im Sportzentrum Hohenschönhausen trainiert und an der Humboldt-Universität ihr Jurastudium fortsetzt. Sie startet aber weiterhin für die LG Eintracht Frankfurt.

Turbulentes Jahr 2014

Betty Heidler © dpa-bildfunk Foto: Rainer Jensen

Was ist da los? Betty Heidler ratlos in Zürich.

Es folgte ein "turbulentes Jahr" (Heidler) 2014. Die Hammerwerferin laborierte an den Nachwehen einer Knieoperation, hinzu kamen private Belastungen. Bei der DM in Ulm verpasste sie mit einer enttäuschenden Weite unter 70 m ihren zehnten Meistertitel in Serie - Rang zwei hinter Vereinskollegin Kathrin Klaas. Und auch bei der EM in Zürich landete sie als enttäuschende Fünfte hinter ihrer nationalen Dauerkonkurrentin, die Vierte wurde. "Ich habe mir echt ein Bein ausgerissen", sagte sie nach ihrem erneuten "Aussetzer": "Es ist nicht das dabei herumgekommen, was ich drauf habe."

Zum zehnten Mal deutsche Meisterin

Im vergangenen Jahr siegte Betty Heidler bei der DM mit starken 75,34 m vor Klaas (67,84) und machte mit einjähriger Verspätung Jubiläumstitel Nummer zehn perfekt. "Es war wichtig, den Titel zurückzuholen. Das war das erste Ziel", betonte sie: "Ich hoffe, dass mir bei der WM so ein Wurf schon im ersten Versuch gelingt, das gibt Sicherheit." Doch daraus wurde in Peking nichts. Trotz vielversprechender Vorleistungen mit insgesamt fünf Würfen über 75 m und weiter kam die Polizeibeamtin in China mit 72,56 m nicht über Platz sieben hinter Klaas hinaus. Weltmeisterin wurde Favoritin Wlodarczyk, die Heidlers Weltrekord aus dem Jahr 2011 schon 2014 um 16 Zentimeter übertroffen hatte und im vergangenen Jahr im polnischen Cetniewo in eine neue Dimension vorstieß: Die Weltmeisterin von 2009 steigerte ihre eigene Bestmarke auf 81,08 m und durchbrach als erste Frau die 80-Meter-Marke.

"Das ist mein letztes Jahr"

Für Heidler ist nun nach Olympia definitiv Schluss, die 32-Jährige beendet nach mehr als 15 erfolgreichen Jahren im Leistungssport ihre Karriere. "Das ist mein letztes Jahr", sagte die ehemalige Weltrekordlerin. Bei den deutschen Meisterschaften überzeugte sie mit konstant guten Weiten, siegte am Ende mit 75,32 m - ihr elfter und letzter DM-Titel! "Dass man die Chance hat, zum vierten Mal dabei zu sein, das bestätigt einen, dass es hoffentlich ein schönes Ende nimmt", sagte sie im Hinblick auf Rio. Bei der EM in Amsterdam sammelte sie wenige Wochen vor den Sommerspielen schon einmal eine weitere Medaille und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein: Mit Saisonbestleistung von 75,77 m sicherte sie sich Silber hinter Wlodarczyk.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 08.07.16 19:23 Uhr