Diskuswerfer Christoph Harting

Christoph Harting: Sensationsgold und große Pläne

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Diskuswurf
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 04.10.1990
in Cottbus
Größe: 207 cm
Gewicht: 120 kg
Verein: SCC Berlin
Trainer: Torsten Lönnfors
Beruf: Polizeimeister

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
68,37 m (2016)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Gold 2016

Weltmeisterschaften:
8. Platz 2015

Europameisterschaften:
4. Platz 2016

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2018
4. Platz 2017
Silber 2016
Gold 2015
Bronze 2013

U23-EM:
5. Platz 2011

U23-DM:
Gold 2012
Gold 2011
Gold 2010


Christoph Harting trat mit seinem sensationellen Olympiasieg von Rio aus dem langen Schatten seines Bruders Robert. Nach einem Jahr zum Vergessen wirft der deutsche Meister nun wieder stabil - und hat große Ambitionen.

Lange ließ der Durchbruch bei Christoph Harting auf sich warten. Doch dann kam er mit Macht. In Brasilien holte der Berliner bei seinem Olympia-Debüt sensationell mit persönlicher Bestleistung von 68,37 m Gold. Unter den Augen seines sechs Jahre älteren Bruders Robert, der vier Jahre zuvor in London den Olymp erklommen hatte, diesmal jedoch in der Qualifikation von einem Hexenschuss gehemmt gescheitert war.

Der Jüngere bewies während des Wettkampfs mentale Stärke, verwies im letzten Versuch die Konkurrenz auf die Plätze und trat damit aus dem langen Schatten seines Bruders, auch wenn das in Anbetracht des Überraschungsmoments offenbar noch nicht alle mitbekommen hatten. Als er auf der Pressekonferenz nach seinem Gold-Coup von einem ausländischen Journalisten mit "Robert Harting" angesprochen wurde, reagierte der Überraschungssieger, der während der gesamten Saison und auch in der Interviewzone im Stadion von Rio konsequent jede Stellungnahme verweigert hatte, empfindlich.

"Hormon-technisch völlig übersteuert"

Der deutsche Diskuswerfer Christoph Harting jubelt. © Witters Foto: James Lang

Christoph Harting in Rio.

Ohnehin bewies er beim Zelebrieren seines Olympistriumphes kein glückliches Händchen, gab bei der Siegerehrung als Zappelphilipp ein peinliches Bild ab. Im Anschluss entschuldigte er sich, er sei "hormon-technisch völlig übersteuert" gewesen: "Wenn ich jemandem auf dem Fuß getreten bin: War nicht so gemeint, es tut mir leid." Streitbar, arrogant und wenig authentisch - der Eindruck, den er bei der olympischen Siegerehrung hinterließ, trug dieses Bild dennoch in die Öffentlichkeit.

Schwaches Jahr 2017

Im Jahr eins nach seinem sensationellen Olympiasieg bekam Christoph Harting sportlich kein Bein auf den Boden. Der Sprung zur WM in London misslang, seiner guten Laune tat das allerdings keinen Abbruch: "Wenn es keine WM gibt, dann gibt es eben einen schönen langen Urlaub. Den hatte ich lange nicht mehr", sagte der gebürtige Cottbuser nach seinem enttäuschenden vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt, bei denen sein Bruder triumphierte. Für ihn sei ohnehin klar gewesen, dass er im Jahr eins nach Olympia "20 bis 30 Prozent" weniger trainieren wollte. "Da kann man die Uhr nach stellen. Bei jedem, der bei Olympia etwas gerissen hat, ist im Jahr danach die Luft raus", meinte Christoph Harting, lag damit allerdings nur teilweise richtig: Robert Harting holte nach Olympia-Gold 2012 im Folgejahr seinen dritten WM-Titel.

Ungleiche Brüder

Christoph Harting (l.) und Robert Harting © dpa - Bildfunk Foto: Michael Kappeler

Familienbande? Bei Christoph (l.) und Robert Harting eher nicht.

Lange trainierten die Harting-Brüder gemeinsam unter Torsten Lönnfors. Christoph Harting, ohnehin mit viel Talent gesegnet, ist sechs Zentimeter länger als sein Bruder, die Armspanne noch um zwei Zentimeter größer. Das erlaubt theoretisch höhere Abwurfgeschwindigkeiten und damit größere Weiten. Doch was ihm zu seinem älteren, trainingsfleißigen und perfektionistischen Bruder lange fehlte, war die absolute Kämpfermentalität. Rückschläge als Ansporn und Herausfoderung zu sehen. "Robert ist ein Workaholic, ich fummel' mich da noch rein", sagte er einst.

Nach seinem goldenen Wurf am Zuckerhut waren die Kräfteverhältnisse neu geordnet. Am Ende der Olympiasaison ging die Trainingsgruppe, zu der auch Robert Hartings Ehefrau Julia zählte, getrennte Wege. Laut offizieller Verlautbarung eine Konsequenz unterschiedlicher Philosophien, doch waren auch die Animositäten der beiden Brüder schon lange kein Geheimnis mehr. Zu Robert habe er eher "kein Verhältnis als ein schwieriges Verhältnis", bekannte Christoph Harting in diesem Jahr. Er blieb alleine bei Lönnfors, der ihn zu Olympiagold geführt hatte.

Tokio 2020 und Weltrekord im Blick

Dabei soll es nicht bleiben. Trotz der zurückliegenden schwachen Saison betonte Christoph Harting erneut, in Tokio 2020 wieder Olympiasieger werden zu wollen: "Darauf könnt ihr mich festnageln. Ich stehe zu meinen Zielen." Immerhin: In diesem Jahr wirft er wieder deutlich konstanter, trumpfte bei der DM in Nürnberg in seinem ersten und einzigen Versuch mit 66,98 m auf und holte sich seinen zweiten Meistertitel.

Bei der Heim-EM soll Edelmetall her, nachdem vor zwei Jahren in Amsterdam im Vorfeld der Sommerspiele noch 14 Zentimeter zu Bronze gefehlt hatten. Und dann ist da noch der tollkühne Plan, den Weltrekord zu knacken. "Schon vor meinem Olympiasieg habe ich mich mit dem Weltrekord auseinandergesetzt. Der Sieg in Rio gibt mir die Freiheit, mich auf dieses Ziel zu fokussieren", sagte er. Seit über 30 Jahren kommt freilich niemand dieser Marke nahe. Jürgen Schult wuchtete den Diskus am 6. Juni 1986 auf 74,08 m. Viele Weltrekorde aus dieser Zeit gelten als nicht zu übertrumpfen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 23.07.18 12:00 Uhr