Konstanze Klosterhalfen

Konstanze Klosterhalfen: Riesentalent und Rekorde

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: 5000 m
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 18.02.1997
in Bonn
Größe: 175 cm
Gewicht: 48 kg
Verein: TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer: Pete Julian
Beruf: Studentin (Sportjournalismus)

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
14:26,76 Min. (5.000 m/2019/DR)
3:58,92 Min. (1.500 m/2017)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
16. Platz 2016 (1.500 m)

Weltmeisterschaften:
16. Platz 2017 (1.500 m)

Europameisterschaften:
4. Platz 2018 (5.000 m)

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2019 (5.000 m)
Gold 2018 (1.500 m)
Gold 2017 (1.500 m)
Gold 2016 (1.500 m)
Silber 2015 (1.500 m)

Hallen-WM:
7. Platz 2018 (3.000 m)

Hallen-EM:
Silber 2019 (3.000 m)
Silber 2017 (1.500 m)

Hallen-DM:
Gold 2018 (3.000 m)
Gold 2017
Gold 2016 (3.000 m)
Silber 2015


U20-WM:
Bronze 2016 (3.000 m)

U23-EM:
Gold 2017 (1.500 m)


Konstanze Klosterhalfen läuft in der deutschen Leichtathletik in einer anderen Liga. Die in den USA trainierende Leverkusenerin ist in der absoluten Weltklasse angekommen - und weckt Medaillenhoffnungen für die WM.

Sie ist federleicht, wiegt gerade einmal 48 Kilo. Doch in ihrem Sport gilt sie als "Jahrhunderttalent der deutschen Leichtathletik" und ist zunehmend ein echtes Schwergewicht: Konstanze Klosterhalfen. Anfang August trauten bei der DM in Berlin rund 26.000 Zuschauer ihren Augen kaum, als die Zeit beim Zieleinlauf der 22-Jährigen über 5.000 m bei 14:26,76 Minuten stehen blieb. Um erstaunliche 15 Sekunden unterbot sie damit die Bestmarke von Irina Mikitenko von 1999. Weltweit waren jemals nur zwölf Läuferinnen schneller, in Europa drei. Und das in einer Disziplin, in der seit vielen Jahren die Ausdauer-Asse aus Kenia und Äthiopien vorneweg eilen. Mit dieser Rekordzeit wäre die Leverkusenerin vor zwei Jahren in London Weltmeisterin geworden.

Konstanze Klosterhalfen läuft. © picture alliance / Eibner-Pressefoto Foto: EIBNER/beautiful sports

01:41 min | 03.08.2019 | Das Erste | Autor/in: Wilfried Hark, Ralf Scholt

Klosterhalfen läuft Fabelrekord

Konstanze Klosterhalfen pulverisiert bei den deutschen Meisterschaften den deutschen Rekord über 5.000 m: Sie war mit ihren 14:26:76 Minuten 15 Sekunden schneller als die alte Bestmarke.

"Ich wusste in etwa, wo der Rekord lag. Die letzten zwei Runden gingen schon ein bisschen in die Beine, aber das Publikum hat mich getragen", sagte "Koko" Klosterhalfen, die rund einen Monat nach diesem Meisterschafts-Sieg bei der Diamond League in Brüssel als Dritte in 14:29,89 Minuten ihren Rekord nur um gut drei Sekunden verpasste, nach ihrem famosen Alleingang. DLV-Sportchef Idriss Gonschinska, sonst nicht um Worte verlegen, wirkte nach dem Coup fast sprachlos: "Das war schon spektakulär. Eine fantastische Leistung!"

Die Rekorde purzeln

Fünf Wochen zuvor hatte die EM-Vierte von Berlin in Stanford/USA schon ihren eigenen deutschen Rekord über 3.000 m in 8:20,07 Minuten pulverisiert, war fast zehn Sekunden besser als ihre alte Bestmarke und erstmals in die absolute Weltspitze gerannt. Nur fünf Läuferinnen - davon vier Chinesinnen aus der dopingumwitterten "Schildkrötenblut-Armee" von Ma Junren - waren jemals schneller als sie. Ihre Zeit wäre sogar Europarekord gewesen, wenn nicht die Niederländerin Sifan Hassan in 8:18,49 noch vor ihr ins Ziel gelaufen wäre. "Sie ist unglaublich gelaufen", sagte Hassan über ihre deutsche Konkurrentin, die wie die gebürtige Äthiopierin beim umstrittenen Nike Oregon Project (NOP) in den USA trainiert: "Sie ist sehr jung, und sie wird noch eine Überraschung werden - wenn sie gesund bleibt."

Wie zum Beweis ließ Klosterhalfen Mitte August den nächsten deutschen Rekord folgen - den dritten binnen sieben Wochen: Beim Diamond-League-Meeting in Birmingham rannte sie die Meile in 4:21,11 Minuten und blieb damit 48 Hundertstelsekunden unter der alten Bestmarke von Ulrike Bruns (4:21,59) aus dem Jahr 1985. In der Halle hält die Leverkusenerin bereits seit dem Winter den Rekord (4:19,98) über diese Strecke, die nicht regelmäßig im Programm der großen Meetings ist. "Mein erster Sieg in der Diamond League ist toll", jubelte sie in Birmingham.

Viel diskutierter Wechsel in die USA

Konstanze Klosterhalfen © picture alliance/Fotostand Foto: EIBNER/beautiful sports

Immer schneller: Konstanze Klosterhalfen.

Klosterhalfen dürften die Erfolge darin bestärken, dass ihr viel diskutierter Wechsel in die USA die richtige Entscheidung für sie war. Ende des vergangenen Jahres hatte sie ihren Trainingsmittelpunkt nach Amerika verlegt, seit Ende April ist sie offiziell Teil des umstrittenen Projekts mit Cheftrainer Alberto Salazar. Der Coach, der einst auch das britisches Lauf-Idol Mo Farah zum viermaligen Olympiasieger machte, sieht sich schon länger Doping-Vorwürfen ausgesetzt. Klosterhalfen wird daher seit ihrem Wechsel mit dem zweifelhaften Ruf des ehemaligen Weltklasse-Marathonläufers konfrontiert, obwohl sie von Pete Julian betreut wird.

"Das Training dort ist intensiver"

"Ein bisschen sauer und traurig" machen die 22-Jährige mit der seit jeher ausgeprägten Laktat-Toleranz die vielen Fragen und Zweifel. Immer wieder erklärt sie geduldig, dass ihre enormen Leistungssteigerungen mit dem hochprofessionellen Training in Portland zu tun haben. "Ich kann das schon verstehen. Aber jeder, der ein negatives Bild hat, soll gerne vorbeikommen und sich das angucken. Die Journalisten wissen ja nicht, wie es da abgeht. Das Training dort ist intensiver, von der Struktur her schlauer", so das zierliche Ausnahmetalent. "Dazu kommen die Maßnahmen für die Regeneration, das ist noch einmal auf einem anderen Niveau. Die Erfahrung der Coaches, umgeben von Weltklasse-Athleten - das macht die Mischung aus. Das ist wie Trainingslager jeden Tag." Sie würde nicht mehr Kilometer laufen, "aber einfach härter".

Im Leipziger Institut für angewandte Trainingswissenschaft (IAT), wo Klosterhalfen mehrmals auf Herz und Nieren untersucht wurde, sieht man in dem fabelhaften 5.000-m-Rekord eine logische Fortsetzung ihrer früheren Auftritte. "Wie in den Ergebnisdatenbanken der Leichtathletik ersichtlich wird, ist die Leistungsentwicklung von Konstanze Klosterhalfen ein Prozess, der sich bereits im Schüler- und Jugendalter angedeutet hat", hieß es aus dem IAT.

Gonschinska: "Viele Jahre entwickelt und aufgebaut"

Gut zu wissen

Im vergangenen Jahr gelang Konstanze Klosterhalfen ein historisches Triple: Unter 15 Minuten über 5.000 m (14:51,38), unter vier Minuten über 1.500 m (3:58,92) und unter zwei Minuten über 800 m (1:59,65) - das hat es bislang in Deutschland noch nicht gegeben.

"Konstanze ist durch die vielen Jahre entwickelt und aufgebaut worden", erläuterte Gonschinska. Dem Verband ist es einerseits nicht recht, dass sich sein Supertalent dem Einfluss weitgehend entzogen hat, propagiert andererseits den "mündigen Athleten". Außerdem könnte Klosterhalfen, die bei der WM über 1.500 oder 5.000 m antritt, irgendwann die erste deutsche Weltmeisterin im Laufbereich seit DDR-Athletin Sigrun Wodars werden, die 1987 über 800 m triumphierte. In Doha wolle sie "zum ersten Mal im Finale stehen und dann alles geben, was geht", sagte Klosterhalfen: "Mein Ziel ist es, immer mehr in die Weltspitze vorzudringen. Vom Taktischen habe ich noch viel zu lernen."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 07.09.19 13:40 Uhr