Laura Lindemann beim World Series Triathlon in Hamburg 2018.

Laura Lindemann: Letzte Ausfahrt Triathlon

Sportart: Triathlon
Disziplin: Frauen
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 26.06.1996
in Berlin
Größe: 169 cm
Gewicht: 57 kg
Verein: Triathlon Potsdam
Trainer: Ron Schmidt

Sportliche Eckdaten

Größte Erfolge
Weltmeisterschaften:
Bronze 2016 (Staffel)
4. Platz 2015 (Staffel)

Europameisterschaften:
4. Platz 2018
6. Platz 2018 (Mannschaft Mixed)
Gold 2017

World Triathlon Series:
2. Platz Hamburg 2018
3. Platz Hamburg 2017

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2018
Gold 2017
Gold 2015

U23-WM:
Gold 2016

Junioren-WM:
Gold 2015
Gold 2014

Junioren-EM:
Gold 2015
Gold 2014


von Florian Neuhauss

Triathlon war "ihre letzte Chance" - Laura Lindemann hat sie genutzt und eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Längst ist die Berlinerin die Hoffnungsträgerin der Deutschen Triathlon Union (DTU). Das blieb sogar der Kanzlerin nicht verborgen.

Gerade einmal sechs Jahre ist es her, dass Laura Lindemann zu ihrem Glück gezwungen wurde. "Ich erinnere mich noch genau, wie ihre Mutter sagte: Entweder du machst jetzt Triathlon, oder du kommst wieder nach Hause", berichtet U23-Nationaltrainer Ron Schmidt, der in Potsdam am Stützpunkt arbeitet. Lindemanns Coach an der Sportschule hatte der damals 16-jährigen Berlinerin eröffnet, dass es für sie im Brustschwimmen nicht weitergehen würde und den Kontakt zu Schmidt hergestellt. Die Schülerin wusste gar nicht so recht, wie ihr geschieht. "Für mich stand nur fest: Wenn ich es mit einer neuen Sportart versuche, dann mache ich es richtig", berichtet Lindemann. Augen zu und durch - bis in die Weltspitze.

Eine Bilderbuchkarriere über die Sprintdistanz

Manchmal frage sie sich selbst: "Wie geht das denn?" Aber die Antwort ist simpel: "Triathlon war meine letzte Chance." Lindemann stürzte sich in die Arbeit mit ihrem neuen Trainer - und die lohnte sich. Die Bilderbuchkarriere liest sich wie folgt: Im zweiten Jahr als Triathletin wurde sie über die Sprintdistanz Dritte bei der Junioren-WM, 2014 und 2015 räumte sie bereits bei EM und WM die Titel ab. National war sie da schon die Allerbeste, 2015 schwamm, fuhr und lief Lindemann zu ihrem ersten deutschen Meistertitel bei der Elite, also den Erwachsenen. Zur Belohnung gab's die Auszeichnung als Jugendsportlerin des Jahres. 2016 folgte der Schritt in die nächste Altersstufe und auch in der U23 siegte sie bei EM und WM.

Deutschland hatte plötzlich wieder einen Triathlon-Star. Während bei jedem Ironman Deutsche zu den Favoriten zählen, war es um die anderen Wettbewerbe ruhig. Umso überschwänglicher fielen nun die Kommentare aus. Als "Ausnahmetalent" bezeichnete sie schon 2015 der damalige Bundestrainer Ralf Ebli. Und Ironman Jan Frodeno meinte: "Laura ist eine Hoffnung für die Zukunft."

Großer Sprung zur olympischen Distanz

Laura Lindemann © picture alliance/SVEN SIMON Foto: Elmar Kremser

2017 wurde Laura Lindemann Europameisterin der Elite.

Den Vorschusslorbeeren ist sie auf der Sprintdistanz längst gerecht geworden. Ihren bisher größten Erfolg feierte Lindemann 2017, als sie den EM-Titel bei der Elite gewann. Außerdem ließ sie mit Rang zwei beim World Cup im chinesischen Chengdu sowie einem dritten (2017) und einem zweiten (2018) Platz bei der Weltserien-Station in Hamburg aufhorchen.

Doch nun muss die 22-Jährige den Sprung auf die olympische Distanz bewerkstelligen, auf der die wirklich prestigeträchtigen Titel vergeben werden. Nicht mehr 500 m, sondern 1,5 km schwimmen, 40 statt 20 km auf dem Rad ackern und 10 km laufen statt deren 5. "Die Umstellung ist groß", weiß Schmidt. Wie groß, zeigten die Olympischen Spiele 2016, bei denen Lindemann Rang 28 belegte. Allerdings stand die Teilnahme unter keinem guten Stern. Der DOSB hatte zunächst einzig Anne Haug nominiert. Gegen die Entscheidung zog Rebecca Robisch, die sich ebenfalls Hoffnungen gemacht hatte, vors Landgericht Frankfurt. Dieses forderte den DOSB auf, sich noch einmal mit der Nominierung der Triathleten zu beschäftigen. Davon profitierte zwar nicht Robisch, aber Lindemann.

"Laura ist unser Aushängeschild"

"Meinen Traum von Olympia habe ich mir damit schon erfüllt. Und ich hatte die Chance, mir alles anzugucken, was noch auf mich zukommen könnte", blickt sie zurück. Die Zukunft beginnt jetzt. Wenn die European Championships auch eine ganze Nummer kleiner als Olympia sind, so steht die 22-Jährige bei ihren ersten Kontinentalwettkämpfen über die olympische Distanz voll im Fokus. Die DTU hat die Titelkämpfe zum Jahreshöhepunkt gemacht - und Lindemann soll das Zugpferd sein. "Laura ist unser Aushängeschild", betont Schmidt, der in Schottland als verantwortlicher Trainer dabei sein wird, weil nach dem Aus von Ebli der Elite-Posten noch nicht wieder besetzt ist. Während der Großteil seiner übrigen Schützlinge noch aufgebaut werden muss, traut Schmidt Lindemann eine Top-Ten-Platzierung zu. Auch der Staffel soll sie mehr Glanz verleihen.

Enorme Entwicklung auch abseits des Sports

Wo Lindemanns Weg einmal endet, vermag Schmidt nicht zu sagen, doch er traut ihr alles zu. Es schwingt eine Menge Stolz über die Entwicklung mit, wenn Schmidt über sie spricht - in sportlicher Hinsicht, aber auch menschlich. Wie Lindemann 2017 einen Tag vor dem Wettkampf in Hamburg auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin fuhr, um für den Video-Podcast der Kanzlerin über Spitzensportförderung zu sprechen, hat dem Trainer mächtig imponiert. Aus der jugendlichen Zauderin sei "eine richtig coole Sau" geworden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 12.08.18 15:49 Uhr