Malaika Mihambo beim Sprung

Malaika Mihambo: Überfliegerin gewinnt WM-Gold

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Weitsprung
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 03.02.1994
in Heidelberg
Größe: 170 cm
Gewicht: 55 kg
Verein: LG Kurpfalz
Trainer: Ralf Weber
Beruf: Studentin (Umweltwissenschaften/Master)

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
7,30 m (2019)
11,21 Sek. (2019)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
4. Platz 2016

Weltmeisterschaften:
Gold 2019
6. Platz 2015

Europameisterschaften:
Gold 2018
Bronze 2016
4. Platz 2014

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2019
Bronze 2019 (100 m)
Gold 2018
Bronze 2017
Gold 2016
Bronze 2014
4. Platz 2013

U23-EM:
Gold 2015

U23-DM:
Gold 2015
Silber 2013

U20-EM:
Gold 2013

U20-DM:
Gold 2013

U18-DM:
Gold 2011


Weitspringerin Malaika Mihambo ist in der Form ihres Lebens. Sie springt die sieben Meter reihenweise und verlor in der WM-Saison keinen Wettkampf - auch nicht das Finale in Doha.

Markige Sprüche sind nicht die Sache von Malaika Mihambo. Die neue Überfliegerin der deutschen Leichtathletik ist eine stille Genießerin und bewahrte auch nach dem vorläufigen Sprung ihres Lebens bei den deutschen Meisterschaften in Berlin die Ruhe, wo sie sich Anfang August mit ihrem Riesensatz auf 7,16 m den Titel sicherte. Unaufgeregt, aber selbstbewusst plauderte die 25-Jährige nach ihrer beeindruckenden Flugshow über das, was da noch kommen sollte - zum Beispiel bei der WM.

Malaika Mihambo zeigt beide Daumen hoch © picture alliance Foto: Gladys Chai von der Laage

01:11 min | 04.08.2019 | Das Erste | Autor/in: Tim Tonder, Ralf Scholt

Malaika Mihambos Riesensatz auf 7,16 m

Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin sichert sich Malaika Mihambo den Weitsprung-Titel mit der persönlichen Bestleistung von 7,16 m.

"Ich weiß, dass ich gute Chancen habe"

"Es ist ein cooles Gefühl, zu wissen, dass man die Nummer eins der Welt ist", sagte die reflektierte Weitenjägerin, die die Goldanwärterin Nummer eins für die Titelkämpfe in Doha war. Was sie natürlich so nie gesagt hätte: "Ich weiß, dass ich gute Chancen für die Weltmeisterschaften habe, und freue mich darauf", hieß es aus ihrem Mund im Sommer. Der großen Aufgabe schwebte sie jedenfalls sehr entspannt entgegen. Auf dem Hinflug nach Doha bekam Mihambo im Flugzeug spontan ein Upgrade.

Die bisher letzte deutsche Weltmeisterin im Weitsprung hieß Heike Drechsler. Damals, 1993, war Mihambo noch nicht einmal geboren. Nur Drechsler (7,48) und Helga Radtke (7,21) waren vor dem WM-Finale jemals weiter in die Sandgrube gesegelt, "aber gefühlt waren da noch Dinge, die ich verbessern kann", sagte die Europameisterin, die sich in diesem Jahr auf ein ganz neues Level katapultiert hat, bei der DM.

"Das Mindestziel ist eine Medaille. Aber Fakt ist, dass ich dafür erst einmal mein Bestes zeigen muss. Dann kann ich darauf hoffen, dass es an diesem Tag in Doha für Gold reicht. Aber das hängt am Ende ja nicht nur von meiner Leistung ab, sondern auch von der Leistung der anderen. Deshalb mache ich mir über Farbenspiele momentan gar keine Gedanken." Malaika Mihambo vor der WM in Doha

Internationaler Durchbruch im vergangenen Jahr

Malaika Mihambo © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

Europameisterin! Malaika Mihambo überglücklich in Berlin.

Im vergangenen Jahr schaffte Mihambo in Berlin mit dem EM-Titel ihren internationalen Durchbruch. Dabei hatte nach Platz vier bei Olympia in Rio wegen einer schwerwiegenden Fußverletzung 2017 schon das Karriereende gedroht. Doch mit ihrem Trainer Ralf Weber kämpfte sie sich aus der Krise - und träumt von mehr. "Ich denke, dass ich noch Potenzial habe", sagte sie.

Nach dem größten Erfolg ihrer Karriere wanderte Deutschlands Vorzeige-Springerin auf der Suche nach geistiger Erfüllung durch ihr Traumland Indien, übte sich in Meditation und Yoga. "Diese Selbstdisziplin, das Fokussieren, das gegen den inneren Schweinehund ankämpfen, da habe ich viel mit nach Hause genommen", berichtete die 25-Jährige. Die mentale Erfahrungstour rund um Mumbai, das "Trainingslager mit dem Rucksack auf dem Rücken", verpasste einer ohnehin schon steilen Karriere den nächsten Schub: "Das gibt so ein tiefes Gefühl von Klarheit, das man da empfindet. Ich habe noch mehr zu mir selbst gefunden, mich besser kennengelernt. Dadurch bin ich jetzt offener, lockerer und selbstsicherer."

Sieben Meter mittlerweile in Serie

Die Jagd nach den magischen sieben Metern, die auch Belastung und Ballast geworden waren, ging die Heidelbergerin fortan mit neuer Leichtigkeit an - seitdem ist sie nicht mehr zu stoppen. Im Juni in Rom segelte die Edeltechnikerin auf 7,07 m ("Es war an der Zeit, diese sieben Meter endlich aus mir herauszuholen") und übertraf damit erstmals die Marke, die seit jeher der Gradmesser in ihrer Disziplin ist. Mittlerweile springt sie die sieben Meter in Serie, auch rund einen Monat vor dem WM-Finale in Doha. In Brüssel flog sie mit 7,03 m zum sechsten Mal weiter als sieben Meter, feierte ihren neunten Saisonerfolg und machte als erste deutsche Weitspringerin den Gesamtsieg in der lukrativen Diamond League perfekt. 50.000 Dollar gab es als Prämie aus dem Jackpot. Ihre ganz persönliche Belohnung für eine starke Saison: Unmittelbar nach ihrem WM-Titelgewinn fliegt sie vier Wochen in den Urlaub nach Thailand, zum Schnorcheln, Tauchen, Bergwandern.

Bescheiden bleibt sie trotz ihrer Erfolge. "Es gibt Sportlerinnen und Sportler, die sind extrovertiert, haben aber wenig Erfolg. Bei Malaika ist das umgekehrt", sagte Weber, der Mihambo seit 15 Jahren betreut, dem "Tagesspiegel". Der Coach unterstützte das Vorhaben seiner Musterschülerin, die nach der Hallen-EM im Frühjahr noch einmal nach Indien reiste. Ohne Spikes, aber mit Trainingsplan. "Was ich brauchte, um meinen Trainingsstart zu setzen, hatte ich da auch", sagte Mihambo dem SWR.

Sprint-Bronze bei der DM

Nicht nur an geistiger Kraft, sondern auch sichtbar an Muskelmasse und Schnelligkeit hat Mihambo zugelegt. So schnell ist sie mittlerweile, dass sie sich mit den deutschen 100-m-Spezialistinnen misst. 11,21 (WM-Norm: 11,24) und windunterstützte 11,13 Sekunden lief sie bereits in diesem Jahr, bei der DM sprintete sie zu Bronze. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wäre terminlich ein Dreifachstart inklusive eines Staffeleinsatzes möglich. "An solchen neuen Anforderungen kann man wachsen und auch für den Weitsprung etwas rausziehen", so die Athletin von der LG Kurpfalz, die sich in jeder Hinsicht vielseitig zeigt.

Drechsler: "Eine tolle Persönlichkeit"

Seit drei Jahren spielt die Hallen-EM-Vierte Klavier, sie näht leidenschaftlich gern, hat ein abgeschlossenes Politik-Studium und macht jetzt ihren Master in Umweltwissenschaften an einer Fern-Universität. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich in der Jugendorganisation "Starkmacher". "Da schnupper' ich bei Projekten rein, auch aktiv mit einer Kindergruppe, wo es um Spiel, Spaß, Bewegung und Wertevermittlung geht", erläuterte sie. Für Heike Drechsler wächst in der besonnenen Mihambo "eine tolle Persönlichkeit heran".

Ihr Vorname weist bei alldem den Weg: "Der Engel. Er fliegt ja - das passt", so die derzeit beste Weitspringerin der Welt, deren Mutter Deutsche ist, der Vater kommt aus Sansibar. Aber Malaika heißt außerdem: guter Geist.

Mihambo springt im WM-Finale 7,30 m

Im Weitsprung-WM-Finale in Doha hielt sie dem Druck von allen Seiten - also auch ihrem eigenen - stand: Mit persönlicher Bestleistung von 7,30 m gewann Mihambo überlegen die Goldmedaille und katapultierte sich mit diesem Satz in die Top 10 der ewigen Weltbestenliste im Weitsprung - und auf Platz zwei im deutschen Weitsprung-Ranking. Nur die nationale Rekordhalterin und zweifache Weltmeisterin Heike Drechsler sprang 1988 weiter als Mihambo: 7,48 m.

Malaika Mihambo © imago images / Beautiful Sports

01:22 min | 06.10.2019 | Das Erste

7,30 m! Mihambos Wahnsinns-Satz zu Gold

Da freuten sich selbst ihre Kontrahentinnen mit ihr: der Satz auf 7,30 m zu Weitsprung-Gold von Malaika Mihambo bei der Leichtathletik-WM in Doha.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 06.10.19 21:14 Uhr