Mateusz Przybylko

Mateusz Przybylko - Raus aus dem mentalen Loch

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Hochsprung
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 09.03.1992
in Bielefeld
Größe: 195 cm
Gewicht: 79 kg
Verein: TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer: Hans-Jörg Thomaskamp
Beruf: Sportsoldat

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
2,35 m (2017/2018)
Größte Erfolge
Weltmeisterschaften:
5. Platz 2017

Europameisterschaften:
Gold 2018

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2019
Gold 2018
Gold 2017
Bronze 2015
Bronze 2013

Hallen-WM:
Bronze 2018

Hallen-EM:
7. Platz 2017

Hallen-DM:
Gold 2019
Gold 2018
Gold 2017
Gold 2016
Gold 2015


Im vergangenen Jahr avancierte Mateusz Przybylko in Berlin zum ersten deutschen Hochsprung-Europameister seit Dietmar Mögenburg 1982. Doch danach verlor er seine Unbeschwertheit, fiel in ein mentales Loch. Pünktlich zur WM meldete er sich zurück.

Es war der Wettkampf seines Lebens: 2,35 m meisterte Mateusz Przybylko im vergangenen Jahr bei den kontinentalen Titelkämpfen in Berlin im ersten Versuch - wie schon alle Höhen zuvor. Der 27-Jährige bestätigte damit nicht nur seinen Hausrekord, sondern sprang auch zu EM-Gold; das Olympiastadion stand kopf. Schon im vorangegangenen Winter hatte sich Przybylko, dessen Eltern Violetta und Mariusz 1989 von Polen nach Deutschland gezogen waren, seinen Traum von einer internationalen Medaille erfüllt: Bei der Hallen-WM in Birmingham holte er mit 2,29 m Bronze.

Mateusz Przybylko © imago/BEAUTIFUL SPORTS Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring

04:44 min | 18.09.2019

Hoch, höher, Europameister! Przybylkos Flugshow

Mateusz Przybylko zeigte bei der Heim-EM in Berlin den Wettkampf seines Lebens. Mit einer begeisternden Flugshow sicherte er sich Gold. Die besten Szenen im Video.

Es lief für den Höhenjäger, der erstmals 2017 in Bottrop 2,35 m überquert hatte. Es war die beste Leistung eines DLV-Hochspringers seit 16 Jahren, der deutsche Rekord von Carlo Thränhardt aus dem Jahr 1984 liegt bei 2,37 m. "Ich will mir den deutschen Rekord holen, er ist zum Greifen nah. Wann, das ist egal. Man muss sich hohe Ziele setzen, um sie zu erreichen", sagte er seinerzeit.

Schon kurz vor dem Saisonabbruch

Mateusz Przybylko überquert die Latte. © dpa Foto: Sven Hoppe

Mateusz Przybylko fiel nach EM-Gold in ein Motivationsloch.

Doch der Triumph bei der Heim-EM veränderte alles - und nicht nur zum Besseren. Dem Europameister wollte sportlich kaum mehr etwas gelingen, er sprang seiner Form hinterher und war verzweifelt. Gemeinsam mit einem Mentaltrainer arbeitet er seit März daran, wie er mit dem gestiegenen Erfolgsdruck umgehen kann ("Die Erwartungen machen mich kirre") und an der Blockade im Kopf. Ein gutes Gefühl hatte Przybylko in der WM-Saison für lange Zeit eigentlich nur einmal: am 2. Juni, als er in Garbsen 2,30 m meisterte. "Danach lief die Saison beschissen. Ich hatte keinen Bock", sagte der dreimalige deutsche Meister, der sich über Höhen zwischen 2,18 und 2,22 m quälte.

Er wollte die Flinte schon ins Korn werfen und die Saison abbrechen. "Da war so ein Wurm im Kopf. Ich hatte über Monate Probleme, überhaupt die 2,20 zu springen", sagte der 27-Jährige, der bei Hans-Jörg Thomaskamp in Leverkusen trainiert. Doch sein Coach habe ihm gesagt: "Mach' weiter! Das ist für dich ein Lernjahr."

Der Knoten platzt beim ISTAF

Knapp vier Wochen vor der Wüsten-WM bekam "Matze", wie ihn Freunde und Sportkollegen rufen, schließlich die Kurve. Beim Berliner ISTAF siegte er an der Stätte seines größten Triumphes mit 2,30 m - die Einstellung seiner Saisonbestleistung. "Der Knoten ist geplatzt. Es hat geklappt. Da bin ich heilfroh", jubelte Przybylko, der im Vorjahr fünfmal 2,30 m oder höher gesprungen war.

Thomaskamp: "Ein sehr emotionaler Typ"

Mateusz Przybylko © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Thissen

Den Kopf ausschalten - wie hier bei der EM. Das ist der Plan.

Dass es nun doch ein WM-Jahr für den Bruder von Fußballprofi Kacper Przybylko (jetzt in den USA aktiv) wird, hat er auch Thomaskamp zu verdanken, der ihn schon seit elf Jahren trainiert. "Mateusz ist halt auch nur ein Mensch, ein sehr emotionaler Typ. Die Motivation fehlte, der Zugriff war nicht da, Kopf und Körper waren nicht zusammen", so der Trainer: "Im Winter stand es auf der Kippe, ob wir Mateusz überhaupt noch mal ins Springen kriegen. Mir war aber klar: Wenn er das übersteht und da rauskommt, dann geht er gestärkt aus der Situation hervor."

Bei der WM will Przybylko nun wieder die 2,30 oder sogar 2,33 m angreifen. "Wenn ich mich gut anstelle und den Kopf ausschalte im Wettkampf, könnte vielleicht sogar eine Medaille herausspringen", sagte der Motorrad-Freak, der eine 200-PS-Maschine besitzt. Zum Erfolg soll ihn das führen, was er am Motorradfahren so sehr schätzt: "Den Kopf frei haben, an nichts denken, Spaß haben."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 17.09.19 13:30 Uhr