Miriam Welte mit ihrer Goldmedaille bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften 2018

Miriam Welte - In Gedanken bei Kristina Vogel

Sportart: Radsport Bahn
Disziplinen: Sprint , 500 m Zeitfahren Teamsprint
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 09.12.1986
in Kaiserslautern
Größe: 171 cm
Gewicht: 67 kg
Verein: 1. FC Kaiserslautern
Beruf: Polizeioberkommissarin

Sportliche Eckdaten

Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Bronze 2016 (Teamsprint)
Gold 2012 (Teamsprint)

Weltmeisterschaften:
Gold 2018 (500-Meter-Zeitfahren)
Silber 2017 (500-Meter-Zeitfahren)
Bronze 2017 (Teamsprint)
Bronze 2016 (Teamsprint)
Bronze 2015 (500-Meter-Zeitfahren)
Gold 2014 (Teamsprint)
Gold 2014 (500-Meter-Zeitfahren)
Gold 2013 (Teamsprint)
Silber 2013 (500-Meter-Zeitfahren)
Gold 2012 (Teamsprint)
Silber 2012 (500-Meter-Zeitfahren)
Bronze 2011 (500-Meter-Zeitfahren
Bronze 2008 (Teamsprint)

Europameisterschaften:
Bronze 2018 (Teamsprint)
Silber 2017(Teamsprint)
Silber 2015 (Teamsprint)
Bronze 2014 (500-Meter-Zeitfahren)
Silber 2014 (Teamsprint)
Bronze 2011 (Teamsprint)
Bronze 2010 (Teamsprint)


Im Moment fällt es schwer, sich über Siege zu freuen: Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte ist mit ihren Gedanken immer wieder bei der nach einem Trainingssturz schwer an der Wirbelsäule verletzten Kristina Vogel, mit der sie im Team so viele Erfolge gefeiert hat. "Ich muss ständig an sie denken, weil sie auch diejenige ist, die das Team immer gestützt hat. Stürze passieren in unserem Sport immer wieder. Aber dass dieser so schwerwiegend war - dafür fehlen mir immer noch die Worte", sagte die 31-Jährige aus Kaiserslautern der ARD.

Bei den nationalen Meisterschaften Mitte Juli auf der "Badewanne" genannten Bahn in Dudenhofen war sie gerade zum Sprintsieg gefahren und hatte damit ihre acht Mal in Serie bei der DM siegreiche Freundin abgelöst. Postwendend aber widmete sie den Titel der in einer Berliner Klinik liegenden Vogel. In Glasgow wird ihr die Freundin und Kollegin sehr fehlen: "Es war immer unser gemeinsamer Traum, Europameister zu werden. Dass es diesmal wieder nicht klappt, ist wegen der Umstände extrem traurig."

Historischer Erfolg in London 2012

Zusammen mit der Erfurterin und Pauline Grabosch hatte Welte im Frühjahr 2018 bei den Weltmeisterschaften im niederländischen Apeldoorn den Teamsprint gewonnen und ihrer langen Liste an Triumphen den vierten WM-Titel hinzugefügt. "Ich versuche, Kristina ganz viel Energie zu schicken. Mehr als abwarten und hoffen können wir ohnehin nicht", sagte Welte. Das Erfolgsduo Welte/Vogel kam bei den Olympischen Spielen 2012 in London so richtig in Fahrt.

Im Teamsprint holten sie die Goldmedaille, nachdem die Kampfrichter die als Erste über die Ziellinie gebrausten Chinesinnen wegen eines Wechselfehlers auf den zweiten Platz zurückgestuft hatten. Schon ins Finale waren die beiden Deutschen nur gekommen, weil im Lauf zuvor das britische Duo wegen eines ebensolchen Fehlers ausgeschlossen worden war. Der Weg war frei für Welte/Vogel, die sich als erste Olympiasiegerinnen in die Siegerliste der neugeschaffenen Disziplin eintrugen.

Erster WM-Titel im Einzel-Zeitfahren

Der Erfolgsweg setzte sich auch im Jahr darauf fort, als Welte gemeinsam mit Vogel in Minsk (Weißrussland) Weltmeisterin im Teamsprint und Vizeweltmeisterin im Zeitfahren wurde. Im Dezember 2013 folgte in 32,153 Sekunden ein Weltrekord im Teamsprint über 500 Meter. Bei der Bahn-Weltmeisterschaft 2014 in Cali/Kolumbien wurde Welte Doppelweltmeisterin, im Teamsprint (mit Vogel) sowie im 500-Meter-Zeitfahren. Es war ihr erster Einzeltitel bei einer WM.

Miriam Welte © picture alliance / Augenklick/Ro

Gold bei Olympia, WM und EM: Welte hat bei allen Großveranstaltungen gewonnen.

Die kontinentalen Meisterschaften 2015 standen dagegen unter keinem besonders guten Stern. Welte hatte sich kurz zuvor einen Fuß mit heißem Wasser verbrüht und konnte nur unter starken Schmerzen an den Start gehen. Im Duett mit Vogel reichte es im Teamsprint immerhin zu Silber. Doch ihre Teilnahme am Zeitfahren musste sie absagen.

Bronze in Rio statt Titelverteidigung

Die mit Kristina Vogel bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro angepeilte Titelverteidigung endete auf Platz drei - Bronze statt Gold. Eine Enttäuschung folgte im Sprint, wo Welte auf Rang elf fuhr. Im Keirin wurde sie schließlich 25. Erste Bekanntschaft hatte sie mit dieser Disziplin im Frühjahr 2014 gemacht, als sie als erste deutsche Bahnradfahrerin überhaupt zur internationalen Keirin-Serie eingeladen worden war und gemeinsam mit der Spanierin Helena Casas gestartet war.

EM ohne das Erfolgsduo

Schon bei den Juniorinnen gehörte die Pfälzerin zu den weltbesten Bahnrad-Athletinnen im Sprintbereich. Zahlreiche Medaillen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen holte sie auch in der U23. Als sie bei den "Großen" 2012 in Melbourne im Teamsprint mit Vogel die Weltmeisterschaft gewann, galt dies trotzdem als Überraschung. Vier Monate später bestätigten beide den Triumph bei den Olympischen Spielen in Großbritannien.

Mit ihrem zweiten WM-Einzeltitel im 500-Meter-Zeitfahren jüngst in Apeldoorn unterstrich Welte, dass sie auch alleine Erfolge feiern kann. In Glasgow wird sie das bestätigen wollen, auch wenn die Gedanken bei ihrer schwer verletzten Partnerin sind: "Ich weiß, wie stark Kristina ist. Sie ist eine Kämpferin. Das gibt mir Hoffnung."

Dieses Thema im Programm:

Sportschau | FIFA Frauen WM 2019 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 06.08.18 11:16 Uhr