Nadine Müller

Nadine Müller: Starke Nerven und ein starker Kopf

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Diskuswurf
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 21.11.1985
in Leipzig
Größe: 193 cm
Gewicht: 93 kg
Verein: SV Halle
Trainer: René Sack
Beruf: Polizeiobermeisterin

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
68,89 m (2012)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
6. Platz 2016
4. Platz 2012

Weltmeisterschaften:
8. Platz 2019
6. Platz 2017
Bronze 2015
4. Platz 2013
Silber 2011

Europameisterschaften:
Silber 2018
4. Platz 2016
Silber 2012

Deutsche Meisterschaften:
Silber 2019
Silber 2018
Gold 2016
Silber 2015
Gold 2013
Gold 2012
Gold 2011
Gold 2010
Gold 2009
Silber 2008


Zweimal holte Nadine Müller bereits WM-Edelmetall. Außer bei der EM 2014, wo sie verletzt passen musste, war die Diskuswerferin seit 2009 immer beim Saisonhöhepunkt dabei und schaffte es stets ins Finale. Wenn es darauf ankommt, ist mit ihr zu rechnen.

Franka Dietzsch hinterließ nach ihrem Karriereende 2009 eine große Lücke. In die Fußstapfen der deutschen Diskus-Ikone trat Nadine Müller. Im Mai 2010 hatte sich die damals 24-Jährige in Wiesbaden sensationell auf 67,78 m gesteigert, und plötzlich war Müller an der Spitze der Weltjahresbestenliste. Eine Entwicklung, die für sie und ihren Trainer, den ehemaligen Kugelstoßer Rene Sack, wohl zu früh kam: Bei der EM in Barcelona wurde sie mit enttäuschenden 57,78 m nur Achte. "Ich war auf die Situation nicht vorbereitet", schilderte die 1,93 m große Athletin mit der Spannweite von 2,06 m ihre Situation: "Wenn du dich nicht fokussieren kannst, ist alles vorbei."

WM-Silber 2011 in Daegu

Diskuswerferin Nadine Müller mit ihrer Silbermedaille © picture alliance / dpa Foto: Michael Kappeler

Nadine Müller präsentiert ihre Silbermedaille.

Die bittere Erfahrung, die sie in der katalanischen Metropole gemacht hatte, zahlte sich 2011 bei der WM in Daegu aus. Diesmal blieb das große Nervenflattern aus, Müller hielt dem Druck stand. Mit 65,97 m sicherte sie sich hinter Weltmeisterin Li Yanfeng Silber - und damit das erste internationale Edelmetall ihrer Karriere.

Im März 2012 steigerte sich Müller, die mit elf Jahren ins Sportinternat nach Halle an der Saale gekommen war, beim Winterwurf-Cup in Bar/Montenegro im letzten Versuch auf großartige 68,89 m. Damit gelang ihr der weiteste Wurf seit den 69,14 m der Weißrussin Irina Jatschenko am 31. Juli 2004 in Minsk. Während bei der EM in Helsinki Platz zwei heraussprang, verpasste sie bei den Olympischen Spielen in London als Vierte die Medaillenränge. Sie war zunächst Fünfte geworden, rückte aber einen Platz vor, nachdem der zweitplatzierten Russin Darja Pischtschalnikowa wegen Dopings ihre Medaille nachträglich aberkannt wurde.

Nach Verletzungspause wieder da

2013 meldete sich Müller nach einer Hüftverletzung bei den deutschen Meisterschaften mit 64,17 m und dem fünften Titelgewinn nacheinander zurück. "Ich wollte es den Kritikern beweisen, die mich schon abgeschrieben hatten", sagte sie. Bei der WM wollte sie wieder "66 oder 67 m anbieten" - am Ende schlugen 64,47 m und Platz vier zu Buche.

Erneutes Comeback

Während es privat für Müller lief und sie zum Jahreswechsel 2013/14 nach dreijähriger Beziehung ihre Freundin heiratete, musste sie sportlich erneut zurückstecken: Wegen anhaltender Knieprobleme beendete sie die Saison 2014 vorzeitig, die EM in Zürich fand ohne sie statt. Bei der DM in Nürnberg im Jahr darauf meldete sie sich aber mit 65,72 m und Platz zwei wiedererstarkt zurück und sprang noch auf den WM-Zug auf. In Peking 2015 gewann sie vier Jahre nach Silber in Daegu mit 65,53 m Bronze.

"Sie hat diese gewisse Gelassenheit"

Der Traum von olympischem Edelmetall erfüllte sich 2016 nicht: Platz sechs in Rio, wie auch ein Jahr später bei der WM in London. Im vergangenen Jahr war Müller von einer Rückenverletzung im Frühsommer gehandicapt, konnte erst spät ins Training einsteigen und musste erstmals hart darum kämpfen, sich überhaupt für den Saisonhöhepunkt zu qualifizieren. Bei der DM in Nürnberg wurde sie Vizemeisterin - und löste damit das EM-Ticket. Im Anschluss gab es Freudentränen: "Das war der emotionalste Wettkampf meiner Karriere."

Bei den kontinentalen Titelkämpfen in Berlin war sie dann einmal mehr auf den Punkt da und sicherte sich Silber. "Da steckt ganz viel Kopf dahinter. Sie hat die Nerven, sich in den engen Momenten durchzusetzen, diese gewisse Gelassenheit, wenn es darauf ankommt", sagte Bundestrainer Sack dem "leichtathletik"-Magazin.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 03.09.19 14:10 Uhr