Der Hamburger Schwimmer Ramon Klenz bejubelt seinen DM-Erfolg über 200 Meter

Ramon Klenz: Durchbruch wie ein Donnerschlag

Sportart: Schwimmen
Disziplinen: 100 m Schmetterling , 200 m Schmetterling
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 02.08.1998
Größe: 188 cm
Gewicht: 89 kg
Verein: Hamburger SC
Trainer: Veith Sieber
Beruf: Student (Wirtschaftspsychologie)

Sportliche Eckdaten

Größte Erfolge
Europameisterschaften:
11. Platz 2018 (200 m Schmetterling)

Deutsche Meisterschaften:
Gold 2018 (100 m Schmetterling)
Gold 2018 (200 m Schmetterling)
Gold 2018 (400 m Lagen)
Bronze 2017 (400 m Lagen)

Junioren-EM:
9. Platz 2016 (200 m Lagen)


Der EM-Zug war eigentlich schon ohne ihn abgefahren. Doch dann brach Ramon Klenz bei der DM in Berlin über 200 m Schmetterling den 32 Jahre alten deutschen Rekord von Michael Groß.

Ramon Klenz hatte im August "eigentlich schon was vor". Doch dann kam alles anders. Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin Mitte Juli brach der 20-Jährige über 200 m Schmetterling den Uralt-Rekord von Schwimm-Legende Michael Groß. 1:55,76 Minuten: Die 32 Jahre alte deutsche Bestmarke von Groß unterbot er um 48 Hundertstelsekunden - und erhielt per Ausnahmeregelung noch flugs das Ticket zur EM nach Schottland. Zuvor hatte er bei der Nominierung für den Saisonhöhepunkt keine Berücksichtigung gefunden.

Groß: "Angst, den Rekord mit ins Grab zu nehmen"

"Sein Rennen war phänomenal", schwärmte Bundestrainer Henning Lambertz. Klenz selbst, der seine eigene Bestzeit um fast zwei Sekunden toppte, war "überwältigt. Mit so einer Zeit habe ich nicht gerechnet. Den Uralt-Rekord von Groß irgendwann zu brechen, war schon mein Ziel. Dass es schon heute geklappt hat, ist fantastisch."

"Albatros" Michael Groß wirkte indes beinahe erleichtert nach dem Coup seines Nachfolgers, der als erster deutscher Schwimmer die Marke von 1:56 Minuten knacken konnte: "Oh, wie schön, es wurde aber auch mal Zeit. Ich hatte schon Angst, den Rekord mit ins Grab zu nehmen", sagte der dreimalige Olympiasieger: "Es ist wichtig, dass die Schwimmer in Deutschland wieder positive Schlagzeilen schreiben."

Das Schwimmen in den Genen

Sabine Klenz-Herbst 1999 mit Söhnchen Ramon Klenz © dpa Foto: Ralf Hirschberger

Sabine Klenz 1999 mit dem damals knapp einjährigen Ramon.

Klenz, der für den Hamburger SC startet, gilt als Top-Talent und stammt aus einer Schwimmerfamilie. Schon seine Oma Eva Wittke ging bei den Olympischen Spielen 1968 für Deutschland ins Wasser, wurde Fünfte mit der Lagenstaffel. Mutter Sabine wurde Vize-Europameisterin und bei den Spielen 1996 in Atlanta Vierte über die Lagen-Distanz. Vier Jahre später war sie gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan in Sydney gemeinsam am Start. Auch Vater Karl-Heinz gehörte zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft.

Und seine Mutter ist mächtig stolz - muss ihren Filius allerdings auch beruhigen: "Er ruft mich an und sagt: 'Mutti, das ist alles der Wahnsinn!'. Ich beruhige ihn dann und sage, dass er Spaß haben soll", sagte sie. Das wird er in Glasgow sicher, denn "Ramon war immer ein Typ, der zu den Cracks aufgeschaut hat". An den Wänden seines Jugendzimmers hingen früher Poster von Michael Phelps, ein Autogramm des Rekord-Olympiasiegers, das ihm seine Oma bei den Sommerspielen 2008 in Peking besorgt hatte, stand eingerahmt auf seinem Schreibtisch.

Viel Zeit im Kraftraum verbracht

Ramon Klenz hatte auf den jetzigen Leistungsschub sogar schon früher gehofft, war Ende des vergangenen Jahres nach Australien geflogen, um dort mit den besten Schwimmern des Landes zu trainieren. Doch der Durchbruch wollte nicht gelingen, und Klenz haderte immer wieder mit sich. "Ich wollte die Norm bei den German Open im April schaffen, aber das hat nicht geklappt", so der gebürtiger Leipziger, der 2017 sein Abitur abschloss. Nachdem Lambertz die Normzeiten an Platz acht der Olympischen Spiele in Rio orientiert und somit deutlich hochgeschraubt hatte, schien die EM für ihn außer Reichweite.

Dann die Leistungsexplosion von Berlin. Selbst die A-Norm für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hätte er mit seiner Zeit locker geknackt. "Dadurch, dass die Saison in diesem Jahr so lange geht, konnte ich im Vorfeld der DM viel länger trainieren als in den letzten Jahren und damit auch länger meine Form aufbauen", sagte der Student der Wirtschaftspsychologie. Auch das neue Kraftkonzept von Lambertz hatte einen positiven Einfluss. "Ich kann jetzt mehr Power ins Wasser bringen", so Klenz, der viel Zeit im Kraftraum verbracht hat.

Leistung in Glasgow "nochmal zeigen"

Dem Talent waren eigentlich auf den Lagen-Strecken die größten Chancen im internationalen Vergleich zugetraut worden. Denn als größte Stärke galt bislang seine Vielseitigkeit. Klenz schwimmt Rücken, Schmetterling und Lagen nahezu gleichstark. Bei der DM sicherte er sich nach seinem Paukenschlag, bei dem er die älteste noch bestehende deutsche Rekordmarke pulverisiert hatte, dann auch über 400 m Lagen in 4:18,68 Minuten den Sieg und verbesserte seine eigene Bestmarke um zwei Sekunden. Und das, obwohl er in der Nacht zuvor nach dem unerwarteten Erfolg nur "schwer einschlafen konnte". DM-Titel Nummer drei folgte über 100 m Schmetterling (52,59 Sekunden). In Glasgow will er nun seine "Leistung nochmal zeigen". Alle anderen Pläne sind bis auf Weiteres verschoben.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 08.08.18 09:43 Uhr