Stabhochspringer Renaud Lavillenie bei der Leichtathletik-WM 2015 im Olympiastadion in Peking.

Renaud Lavillenie - Mit Magie zum Weltrekord

Land: Frankreich Flagge Frankreich

Steckbrief

geb. am: 18.09.1986
in Barbezieux-Saint-Hilaire
Größe: 1,77 m
Gewicht: 71 kg
Verein: Clermont Athlétisme Auvergne
Trainer: Philippe d'Encausse

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
6,16 m (2014/WR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Silber 2016
Gold 2012

Weltmeisterschaften:
Bronze 2017
Bronze 2015
Silber 2013
Bronze 2011
Bronze 2009

Europameisterschaften:
Gold 2014
Gold 2012
Gold 2010


Renaud Lavillenie wurde der Stabhochsprung in die Wiege gelegt. Dank einer Anlage im Garten der Familie kann der Franzose trainieren, wann immer er will. Der Durchbruch gelang Lavillenie zwar erst spät, dafür aber umso beeindruckender.

Welcher ist der perfekte Ort, um einen 21 Jahre alten Stabhochsprung-Weltrekord zu brechen? Renaud Lavillenie hatte sich Donezk im Osten der Ukraine ausgesucht. Ausgerechnet die Stadt, in der der Ukrainer Sergej Bubka, Jahrhundertsportler und Ikone der Stabartisten, 1993 fantastische 6,15 Meter überquerte. Einen Zentimeter mehr ließ Lavillenie an jenem 15. Februar 2014 auflegen - und es hatte etwas Verwegenes, dem "König der Lüfte" in seinem eigenen Reich den Rekord entreißen zu wollen. Der Franzose empfand es als Magie: "Ich sah im Fallen, dass die Latte oben bleibt. Das war ein unbeschreibliches Gefühl", sagte er zu diesem "magischen Moment".

Stabhochsprung

"Air Lavillenie" - Der neue "König der Lüfte"

6,21-Meter-Versuch mit Verletzung bezahlt

Mit seinem Satz über 6,16 m ist der Olympiasieger von London 2012 zugleich in eine neue Dimension vorgestoßen. Wie weit hinaus geht es noch für die tollkühnen Männer mit ihren Hightech-Stäben? Am Weltrekord-Abend in Donezk ließ "Air Lavillenie", wie sich der Franzose bei Twitter nennt, noch 6,21 m auflegen. Er bezahlte diese Dreistigkeit mit einer Fußverletzung, die ihm danach etwas länger zu schaffen machte. Später äußerte er sich eher zurückhaltend über mögliche weitere Rekordversuche: "Wichtig ist, dass ich das hohe Niveau erst einmal halten kann."

Einsame Flugshow zum dritten EM-Titel

Die EM-Saison 2014 war seine. Neben dem Weltrekord gewann er nach fünf Siegen in der Diamond-League-Serie vorzeitig das Diamond Race. In Zürich brachte Lavillenie mit einer einsamen Flugshow seinen dritten EM-Titel nacheinander unter Dach und Fach. Die Stabhochsprung-Anlage im Letzigrund, das hatte er schon vor den Titelkämpfen verlauten lassen, liege ihm wegen der längeren Anlaufbahn besser als die bei der WM 2013 in Moskau. "Da konnte ich den nötigen Speed bis zum Absprung nicht wunschgemäß aufbauen", sagte Lavillenie über die Titelkämpfe im Luschniki-Stadion, bei denen ihm Raphael Holzdeppe jenen Titel wegschnappte, der in seiner Sammlung nach dreimal Bronze und einmal Silber noch fehlt: Weltmeister.

"Stabhochsprung ist für mich Adrenalin pur"

Der Stabhochspringer Renaud Lavillenie  Foto: Julia Rahn

Renaud Lavillenie wurde das Talent in die Wiege gelegt.

"Stabhochsprung ist für mich Adrenalin pur", hat Lavillenie einmal gesagt. "Ich liebe diesen Sport, und ich kann an nichts anderes denken. Ich liebe beim Stabhochsprung das Gefühl von Risiko und Kontrolle." Das Talent wurde dem Sechs-Meter-Springer in die Wiege gelegt. Der Legende nach soll Vater Gilles, früher selber Stabhochspringer, seinen Filius bereits im Alter von einer Woche auf einer Stabhochsprungmatte gebettet haben. Im heimischen Garten wurde später eine eigene Stabhochsprung-Anlage errichtet, auf der Renaud und sein jüngerer Bruder Valentin trainieren können, wann immer ihnen danach ist.

Später Durchbruch

Umso überraschender, dass Renaud verhältnismäßig spät den Durchbruch schaffte. Erst 2006 überwand er mit fast 20 Jahren die Fünf-Meter-Marke. Der mit 1,77 m eher klein gewachsene Stabhochspringer steigerte sich kontinuierlich. Im Winter 2009 ließ Lavillenie mit dem Sieg bei den Hallen-Europameisterschaften in Turin erstmals richtig aufhorchen. Mit 5,81 m gewann er Gold. Bei der Team-EM im portugiesischen Leiria sorgte Lavillenie für das Highlight: Nachdem der Hobby-Reiter mit 5,90 m bereits den Wettkampf für sich entschieden hatte, übersprang er im zweiten Anlauf 6,01 m - und überquerte als 17. Springer weltweit die Sechs-Meter-Marke. Bei der Weltmeisterschaft in Berlin konnte der Franzose an seine Top-Leistung nicht anknüpfen. Mit 5,80 m gewann er bei seinem Debüt "nur" Bronze.

Olympia-Gold 2012 - und dann in neue Höhen

Bei der EM in Barcelona ein Jahr später zeigte er sich der Favoritenbürde gewachsen. Mit einer Höhe von 5,85 m gewann er Gold und avancierte zum ersten französischen Titelträger in der 76-jährigen EM-Geschichte. Zu den Welttitelkämpfen in Daegu 2011 reiste der Franzose als einer der Favoriten auf den Sieg, musste sich aber mit Platz drei (5,85) zufriedengeben. Einen WM-Titel sicherte er sich 2012. Bei den Hallen-Titelkämpfen in Istanbul gewann Lavillenie Gold mit 5,95 m. In Helsinki heimste der Franzose unter freiem Himmel im selben Jahr seinen zweiten Europameistertitel ein. Mit 5,97 m gewann er Gold. Bei seinem Olympia-Debüt in London stellte der Franzose mit 5,97 m einen Olympischen Rekord auf.

Dass der Olympiasieger im Herbst nach dem größten Erfolg seiner Karriere seinem Trainer Damien Inocencio den Laufpass gab, hat ihm viel Kritik eingebracht. Doch die Leistungen, mit denen Lavillenie seither auftrumpft, bestätigen seine Entscheidung für Philippe d'Encausse. Dafür steht nicht zuletzt der 15. Februar 2014.

"Salto nullo" bei der EM und Pfiffe bei Olympia

Auf seinen ersten WM-Titel im Freien muss Lavillenie jedoch weiter warten: In Peking scheiterte der Franzose dreimal an 5,90 m. Für den Weltjahresbesten (6,05 m) sprang wieder nur die Bronzemedaille heraus. Seine Ansprüche im Olympia-Jahr untermauerte Lavillenie, als er sich bei der Hallen-WM in Portland mit Meisterschaftsrekord von 6,02 m den Titel sicherte. Bei den französischen Meisterschaften kurz vor der EM holte er sich zudem mit Weltjahresbestleistung von 5,95 m den Titel.

In Amsterdam lief dann kurz vor den Olympischen Spielen aber gar nichts zusammen beim "Überflieger": Seine Einstiegshöhe 5,75 m riss er dreimal - statt Goldmedaille gab es einen "Salto nullo". Dieser Enttäuschung folgte in Rio de Janeiro zwar die olympische Silbermedaille, aber auch der große Frust. Bei jedem seiner Versuche ärgerten ihn die brasilianischen Zuschauer, die ihren Lokalmatador Thiago Braz da Silvas zum Olympiasieg "tragen" wollten. Lavillenie schimpfte und bekam als Quittung bei der Siegerehrung Pfiffe vom "allzu unfairen Publikum".

Bei der WM in London 2017 misslang der Krönungsversuch erneut: In einem hochklassigen WM-Finale musste sich der Franzose mit übersprungenen 5,89 m hinter Sam Kendricks aus den USA und dem Polen Piotr Lisek wieder mit Bronze begnügen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 08.08.17 23:12 Uhr