Barbora Spotakova

Barbora Spotakova - Gold, Baby, Gold!

Land: Tschechien Flagge Tschechien

Steckbrief

geb. am: 30.06.1981
in Jablonec
Größe: 182 cm
Gewicht: 79 kg
Verein: Dukla Prag

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
72,28 m (2008/WR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Bronze 2016
Gold 2012
Gold 2008

Weltmeisterschaften:
Silber 2011
Silber 2009
Gold 2007

Europameisterschaften:
Gold 2014
Bronze 2010
Silber 2006


Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Sportlerinnen nach einer Schwangerschaft oftmals noch leistungsfähiger sind als vorher, hat ihn Barbora Spotakova angetreten. Die Speerwurf-Weltrekordlerin aus Tschechien schwang sich nach der Geburt von Söhnchen Janek schnell zu alter Stärke auf.

Bei der EM 2014 holte sich Spotakova den Titel, der in ihrer beeindruckenden Sammlung noch fehlte. Nach ihrem Triumph in Zürich zeigte sie sich rundum zufrieden: "Jemand da oben muss mich mögen. Ich bin eine glückliche Frau", sagte Spotakova. Nur dass sie ihren kleinen Sohn Janek doch wieder einmal mit ins Stadion genommen hatte, bezeichnete sie später als "keine gute Idee. Ich habe ihn die ganze Zeit weinen hören."

Oma passt auf Söhnchen Janek auf

Die "Speerwurf-Mama" hatte schnell eingesehen, dass sie mehr Zeit zum Regenerieren braucht als früher. Ihre Mutter passt auf Janek auf, wenn sie unterwegs ist. Dass ihr Sohn einmal in ihre und in die Fußstapfen ihres langjährigen Trainers, der tschechischen Speerwurf-Ikone Jan Zelezny, treten könnte, schließt sie nicht aus: "Ich bin sicher, dass er es mit dem Speer zumindest mal probiert, wenn er älter ist."

In den Schuhen von Zelezny

Mit der Goldmedaille bei Europameisterschaften hat Spotakova etwas geschafft, was der dreimalige Olympiasieger und Weltmeister Zelezny nie erreicht hat. In den Schuhen ihres Idols hat sie einst ihren ersten Speerwurf-Wettkampf bestritten. Damals trainierten beide bei Dukla Prag und hatten die gleiche Schuhgröße. Lange Jahre war der Weltrekordler ihr Trainer. Aus Zeleznys Fußstapfen ist Tschechiens Vorzeige-Leichtathletin aber längst herausgetreten.

Überraschung in Osaka

Als die in Jablonec im Isergebirge geborene Spotakova 2007 zum großen Wurf ausholte und in Osaka Weltmeisterin wurde, war das noch eine Riesenüberraschung. Als Topfavoritin galt damals Christina Obergföll. Doch das Gold schnappte sich Spotakova mit tschechischem Rekord (67,07 m). Für die Speerwurf-Nation Tschechien war der Titel die erste WM-Medaille, die eine Frau nach Hause brachte. Kaum zu glauben, hatte Dana Zatopkova doch schon 1952 in Helsinki Olympia-Gold gewonnen.

2008: Olympia-Gold in Peking und Weltrekord in Stuttgart

Die tschechische Speerwerferin Barbora Spotakova bei den Olympischen Spielen in London. © picture alliance / Sven Simon Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON

Barbora Spotakova gewann in London 2012 ihr zweites Olympia-Gold.

Für Zelezny war die Sternstunde seiner Clubkollegin keine Überraschung. Er sagte damals schon voraus, dass die frühere Siebenkämpferin einmal weiter als 70 Meter werfen würde. Schon ein Jahr später war es soweit: Bei den Olympischen Spielen in Peking eroberte die Weltmeisterin mit 71,42 m Gold. Gut drei Wochen später setzte sie noch einen drauf und holte sich den Weltrekord. Beim Weltfinale in Stuttgart beförderte sie das 600-Gramm-Gerät auf 72,28 m - exakt neun Meter weiter als die zweitplatzierte Obergföll. Bei der WM 2009 musste sie sich dann im letzten Duell mit ihrer langjährigen Dauerrivalin Steffi Nerius geschlagen gegeben: Bei ihrem Abschiedswettkampf im Berliner Olympiastadion nutzte Nerius den Heimvorteil und verwies mit 67,30 m Spotakova auf Platz zwei.

"Nur" EM-Bronze 2010 und WM-Silber 2011, ...

Nach dem enttäuschenden Jahr 2010 mit einer Ellbogenverletzung und "nur" Bronze bei der EM in Barcelona folgte eine Zäsur. Spotakova machte nicht nur ihren Motorrad-Führerschein, sie beendete nach elf erfolgreichen Jahren auch die Zusammenarbeit mit ihren Trainer Rudolf Cerny und begab sich unter die Fittiche von Zelezny. Mit einem auf den ganzen Körper ausgerichteten Krafttraining und verbesserter Technik wollte sie die entscheidenden Zentimeter auf dem Weg zu ihrem zweiten WM-Titel in Daegu und dem zweiten Olympiasieg 2012 in London herausholen. In Südkorea ging dieser Plan nicht auf. Ihre russische Kontrahentin Maria Abakumowa warf 71,99 m und schnappte der Weltrekordlerin (71,58 m) den Titel weg.

... dafür aber Olympia-Gold 2012

Ein Jahr später in London nahm Spotakova erfolgreich Revanche. Sie musste nicht einmal 70 Meter werfen (69,55 m), um Obergföll und Linda Stahl hinter sich zu lassen. Ihr zweiter Olympiasieg ging einher mit der Einsicht, dass sie eine Pause brauchte. "Ich war erschöpft und war froh, als ich schwanger wurde", sagte sie in einem Interview für die IAAF-Website. Sie kaufte ein Sommerhaus, zog aus Prag fort und verbrachte viel Zeit bei endlosen Spaziergängen mit ihrem Hund im Wald.

Das bewusste Abnabeln von ihrem Beruf tat ihr offensichtlich gut. Im Mai 2013 kam ihr Sohn zur Welt, den sie in Anlehnung an den Vornamen ihres großen Vorbilds Zelezny Janek nannte. Nur 113 Tage später nahm sie bei einem kleinen Meeting im böhmischen Domazlice schon wieder Anlauf auf ihre zweite Karriere als "Speerwurf-Mama" und 2014 verlief wie geplant: Spotakova gewann die Speerwurfwertung der Diamond-Race-Serie und holte sich in Zürich EM-Gold.

Trennung bringt keinen Fortschritt

Trotz der Rückkehr in die Erfolgsspur endete das Jahr mit einer unerwarteten Trennung: Spotakova und ihr Trainer Zelezny hatten verschiedene Auffassungen, wie die Vorbereitung auf die neue Saison aussehen sollte, hieß es offiziell. Spotakova präsentierte sich 2015 zunächst in guter Form, gewann erneut die Gesamtwertung der Diamond-League, erlebte allerdings beim Saisonhöhepunkt in Peking ein Debakel, als sie nur WM-Neunte wurde.

Olympia-Bronze nach Fußbruch

2016 sollte einen Wendepunkt in der Karriere der Tschechin markieren. Noch einmal angreifen, noch einmal weit werfen, noch einmal Gold bei Olympia - so lautete das Ziel. Es wäre der dritte Olympiasieg in Folge nach den Triumphen von Peking und London. Aber die Vorbereitungen für das anvisierte Triple liefen alles andere als rund. Im März brach sich die Tschechin beim Tennisspielen einen Fußwurzelknochen, das Training lief im Frühjahr alternativ weiter: Speerwerfen konnte sie nur im Sitzen und im Stehen, Anlaufübungen und Konditionstraining waren nur eingeschränkt möglich. Zwar verlief die EM in Amsterdam mit Rang fünf enttäuschend, doch im olympischen Finale von Rio bewies Spotakova Moral und erkämpfte sich die Bronzemedaille.

WM-Gold von Osaka wiederholen

Diese Platzierung war Ansporn genug für die ehrgeizige "Bara", wie sie in Tschechien genannt wird, um weiterzumachen mit dem Speerwerfen in der Weltspitze - auch noch im Alter von jetzt 36 Jahren. Und tatsächlich scheint Spotakova ihre Formkurve für den Saisonhöhepunkt 2017, die WM in London, optimal zu timen. Anfang Juli warf die Weltrekordlerin in Lausanne 67,40 m und steigerte sich Tage später beim Diamond-League-Meeting in London auf ihre Saisonbestleistung von 68,26 m. Es ist daher gut möglich, dass Spotakova in der britischen Metropole ihr Déja-vu erlebt: Vor zehn Jahren hatte Tschechiens populärste Leichtathletin in Osaka ihren bislang einzigen WM-Titel gefeiert.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | European Championships 2018 | 04.08.2018 | 09:55 Uhr

Stand: 01.08.17 11:47 Uhr